Human Resource Management Mitarbeiterführung

Kündigung von Mitarbeitern: Psychologische Probleme

Die Kündigung stellt für viele Betroffene im ersten Moment einen Schock dar. Sie verfallen nicht selten in eine Starre und sind wie gelähmt, weil sie die Zukunftsoptionen zu diesem Zeitpunkt nicht sehen und die Kündigung emotional wie ein Ausgestossenwerden, ein Ausschluss aus der Arbeitsgemeinschaft auf sie wirkt.

Gefühle des Ausgeschlossenwerdens, der Verlust einer Gemeinschaft, in der man sich möglicherweise gut aufgehoben und sicher oder gar anerkannt fühlte und Wertschätzung erfuhr, hat oft tief greifende psychologische Konsequenzen.

Andererseits können Schockphasen oft schon nach einer Woche überwunden werden, wenn es sich um psychisch stabile, eher selbstsichere Mitarbeiter handelt oder wenn bei Problemen dieser Art schnell und richtig gehandelt wird. Danach ist eine erste Aktivierungsphase für das psychologische Wohlbefinden und die Wiedererlangung des Selbstvertrauens entscheidend. Wird man in dieser Phase alleingelassen, besteht die Gefahr, dass der Mitarbeiter in Resignation und Passivität verfällt. Oder erhält dieser anfänglich nur Absagen auf Bewerbungen und muss sich auf eine länger andauernde Arbeitslosigkeit einstellen, können sich auch aus diesem Grund schnell Hoffnungslosigkeit und depressionsähnliche Zustände breitmachen.

Akzeptanz und Annahme psychologischer Hilfe

Psychologische Hilfe wird leider nur selten von Gekündigten schnell genug  angenommen, vorurteilslos betrachtet oder von Unternehmen angeboten. Mitarbeiter scheuen sich zu oft, dadurch erst recht als Depressive oder Versager abgestempelt zu werden und eingestehen zu müssen, dass sie hilflos sind und mit der Situation nicht zurechtkommen. Dabei wären psychologische Auffanggespräche unmittelbar nach der Kündigung eine wichtige Massnahme, um die beschriebenen Auswirkungen und Risiken erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Verdrängung und Verheimlichung von Kündigungen

Kündigungen sind nicht nur innerhalb, sondern oft auch ausserhalb des Unternehmens ein Tabuthema und die psychosozialen Risiken und Negativfolgen kommen selten zur Sprache. Häufig wird ein Jobverlust sogar vor Freunden und der Familie verheimlicht. Aus Angst, als Versager dazustehen und bemitleidet zu werden und wegen des sozialen Wertverlustes wird die Kündigung dann verschwiegen und so lange wie möglich geheimgehalten. Dabei wäre gerade das soziale Umfeld als Auffangnetz und auch für eine Perspektive von aussen besonders wichtig. Durch das Verheimlichen und Verdrängen wird die Gefahr oft noch grösser, in ein schwarzes Loch oder gar eine lähmende Depression zu fallen, welche dann eine Kettenreaktion weiterer Probleme und Erschwernisse auslösen kann.

„Opfer durch Nähe“ nennen Psychologen zuweilen die verzögerten Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf das soziale und familiäre Umfeld. Untersuchungen haben ergeben, dass der familiäre Stress, bedingt durch Arbeitslosigkeit, mit einem Verzögerungseffekt zu vergleichbaren Symptomen bei den Angehörigen führen kann. Für Betroffene macht es dann auch selten einen Unterschied, ob Gekündigte im Rahmen einer Kündigungswelle oder als Einziger ihre Stelle verloren haben. Entscheidend, so die Resultate dieser Untersuchungen, seien die Bewältigungsstrategien gekündigter Mitarbeiter.

Gefährdete und exponierte Mitarbeiter

Es sind besonders Mitarbeiter von psychischen Problemen betroffen oder gefährdet, die einen grossen Teil ihres Selbstwertes über Beruf und Karriere definieren und ihre Lebensziele einseitig und ausschliesslich auf Beruf und Karriere ausrichten. Doch auch Mitarbeiter mit einem generell wenig ausgeprägten Selbstvertrauen sind gefährdeter als andere, weil sie eine Kündigung sofort als Niederlage, als Versagen und als Nichtgenügen auffassen und die die Ursachen bei sich selber sehen. Von psychischen Problemen betroffen sind vor allem folgende Mitarbeiter:

  • Defizite im Selbstvertrauen und geringe Selbstwertgefühle
  • Grosse Identifikation mit Job, Unternehmen und Team
  • Langjährige und engagierte Mitarbeit
  • Völlig unerwartete Aussprache der Kündigung
  • Eher introvertierte, ruhige und sensible Mitarbeiter
  • Selbstwert nur oder grösstenteils durch Arbeit, Beruf und Leistung
  • Ältere Mitarbeiter oder Hilfskräfte mit schlechten Job-Aussichten

 


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