Human Resource Management Personalgewinnung

Soziale Medien für Stellenbesetzungen nahezu bedeutungslos?

Zu diesem ernüchternden Schluss mit weiteren überraschenden Ergebnissen kommt zumindest das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg nach der Auswertung einer repräsentativen Stellenerhebung für das Jahr 2016.

Die Stellenbesetzung über soziale Medien wie Linkedin, Xing, Facebook spielt laut dieser Befragung eine nahezu bedeutungslose Rolle: Der Anteil von durch soziale Medien besetzte Stellen liegt gerade mal bei einem Prozent. Mit der Befragung von 11’500 Arbeitgebern darf diese als recht repräsentativ betrachtet werden. Obenauf schwingen mit 21 Prozent die klassischen Online-Jobbörsen und die durch Mitarbeiter empfohlenen Einstellungen.

Mit 10% kommen sogar die guten alten Stellenanzeigen in den klassischen Medien besser weg, und Karriere-Websites haben eine ähnliche sogar respektable Beachtung. Mit immerhin 5% spielen auch Vermittlungsdienste und Jobhunter nach wie vor eine gewisse Rolle, vermutlich besonders bei Führungspositionen. 32 Prozent aller Neueinstellungen kommen gemäss der Befragungsergebnisse über die Nutzung persönlicher Kontakte zustande – Beziehungen sind also nach wie vor offensichtlich die besten Stellenvermittler. Bei Kleinbetrieben beträgt dieser Anteil sogar 47 Prozent.

Erstaunliche und ernüchternde Resultate

Solche Resultate sind erstaunlich, werden doch soziale Medien immer wieder als die Stars des Recruitings und als Mittel zu erfolgreichen Stellenbesetzung gefeiert. Immerhin gibt es soziale Medien seit über 10 Jahren, sodass sie mittlerweile sicher gut etabliert sind. Die in anderen Bereichen intensive Nutzung, gerade auch in der Kommunikation und Beachtungsqualität, ist ein weiterer Grund, weshalb die Bedeutung sozialer Medien bei der Stellenbesetzung eigentlich viel grösser sein müsste. Das an Features leistungsfähige Angebot professioneller Netzwerke wie Linkedin und Xing ist heutzutage erstaunlich gut – auch deshalb sind solche Befragungsresultate erstaunlich.

Mögliche Gründe und Probleme

Ob soziale Medien doch nicht jene Zielgruppen haben, die für Personal suchende Arbeitgeber die richtigen sind und persönliche Kontakte und Kommunikation zu wichtig und dominant sind? Oder ob das inhaltliche Umfeld doch zu weit weg ist von doch sehr wichtigen Aufgaben und Themen im beruflichen Bereich? Oder fehlt im Zeitalter digitaler Datenschnüffelei einfach das Vertrauen, dass Daten sorgfältig gehandhabt werden und heikle Informationen publik werden oder in falsche Hände geraten könnten? Stellensuche ist zudem nach wie vor ein oft sehr diskreter Vorgang mit grossem persönlichem Involvement, auch dies mag ein Grund sein, soziale Medien eher zu meiden.

Soziale Medien aber nicht abschreiben

Deshalb aber soziale Medien abzuschreiben, wäre falsch. Im Employer Branding, im vorgelagerten Prozess der Stellensuche und in vielen anderen Bereichen könnten sie eine Bedeutung haben, die sich direkt nicht messen lässt. Bewerber-Journeys sind heutzutage online vielschichtige und komplexe Vorgänge, bei denen sich ausschlaggebende Erfolge und Wirkungsgrade selten mehr eindeutig zuordnen und messen lassen. So könnten gerade Empfehlungsprogramme eine grössere Bedeutung haben, aber in sozialen Medien nicht direkt erfassbar sein.

Die Repräsentanz der Befragung ist zwar recht hoch, dennoch könnten anders konzipierte Befragungen und Zielgruppen zu abweichenden Resultaten kommen. Gerade bei Fachkräften und Experten könnte sich die Situation wesentlich anders darstellen. Zudem darf nicht vergessen werden, dass heutzutage auf einer Candidate Journey zahlreiche Touchpoints am Recruiting- und Einstellungsprozess beteiligt sind und die Erfolgsmessung oft nur schwer plattformbezogen erfolgen kann.

Abschied vom Hype

Aber eines ist sicher: Soziale Medien sollten gerade in der Stellenbesetzung endlich vom Hype wegkommen und auf den Boden der Realität zurückfinden. Nämlich dem, dass auch im Online-Zeitalter die Instrumente der Personalauswahl und Stellenbesetzungen noch immer ein breiter Mix sind, in dem traditionelle Kanäle noch immer einen hohen Stellenwert haben und dazu gehören und die stets gefeierten sozialen Medien davon einfach ein Instrument und ein Kanal unter vielen und nicht mehr sind.

 


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