HR-Know-how

Wie wir verhindern, dass die KI uns immer dümmer macht

KI verleitet uns zu oft, unser Denken auszulagern und Antworten unkritisch zu übernehmen. Entscheidend ist, dass Sie weiterhin Widerspruch aushalten, Zusammenhänge selbst herleiten und bewusst kritisch bleiben, statt jede KI-Antwort mit Copy-Past zu übernehmen.

Die folgenden Tipps zielen darauf, kognitives Denken zu stärken, damit KI Ihre Urteilskraft schärft, statt sie schleichend zu verkümmern.

Führen Sie einen echten Dialog mit der KI

Stellen Sie nicht nur eine Frage, sondern reagieren Sie auf die Antwort, stellen Gegenfragen oder bitten um Präzisierung. So entsteht ein iterativer Prozess, bei dem Ihr eigenes Denken Schritt für Schritt geschärft wird und Antworten immer genauer Ihren Vorstellungen entsprechen.

Prompt-Beispiel:
„Du hast vorgeschlagen, die Mitarbeiterbefragung anonym durchzuführen. Warum ist das aus Sicht der psychologischen Sicherheit wichtig?“

Gezieltes kritisches Feedback zu Ihren Ideen oder Texten

Anstatt nur Bestätigung zu suchen, fordern Sie bewusst konstruktive Kritik ein. Das hilft Ihnen, Schwächen früh zu erkennen und Ihre Argumente zu stärken – besonders bei Konzepten, E-Mails oder Strategiepapieren.

Prompt-Beispiel:
„Hier ist mein Entwurf für ein Onboarding-Konzept: [Text einfügen]. Was sind die drei grössten Schwächen oder Lücken darin – und wie liesse sich das verbessern?“ Oder: Schreibe diesen Text konkreter, präziser, anspruchsvoller, einfacher, praxisorientierter sind weitere Möglichkeiten.

Erfragen Sie bewusst alternative Sichtweisen

Lassen Sie sich nicht nur die naheliegende Perspektive liefern, sondern bitten Sie um andere Blickwinkel – etwa aus Sicht der Mitarbeitenden, der Führungskräfte, der IT oder sogar der Konkurrenz. Das erweitert Ihren Horizont und verhindert Tunnelblick.

Prompt-Beispiel:
„Wie würde ein langjähriger Mitarbeiter dieses Homeoffice-Modell wahrscheinlich wahrnehmen – im Gegensatz zur Unternehmensleitung?“

Das „Sandwich-Prinzip“: erst denken, dann Prompt, dann wieder denken

Bevor Sie die KI nutzen, notieren Sie Ihre eigenen Gedanken. Danach holen Sie sich Impulse – und reflektieren anschliessend kritisch, was passt und was nicht. So bleibt Ihre Urteilsfähigkeit im Zentrum.

Prompt-Beispiel:
„Ich habe mir folgende Gedanken zum Thema Führungskräfteentwicklung gemacht: [Ihre Notizen]. Welche Aspekte fehlen hier möglicherweise – und welche Ideen halte ich trotzdem bewusst bei?“

Lassen Sie mehrere Versionen generieren und vergleichen Sie

Bitten Sie die KI nicht um die Antwort, sondern um drei unterschiedliche Varianten – etwa bei Formulierungen, Argumentationslinien oder Lösungsansätzen. Indem Sie diese bewusst abwägen, trainieren Sie Ihre eigene Entscheidungskompetenz. Auch die Nutzung mehrer KI-Modelle (ChatGPT, Gemini, Perplexity, Qwen) kann bei wichtigen Aufgaben interessant sein.

Prompt-Beispiel:
„Gib mir drei verschiedene Versionen einer E-Mail, die erklärt, warum wir die Probezeitverlängerung einführen – eine sachliche, eine empathische und eine motivierende.“

Nutzen Sie KI als Sparringspartner, nicht als Entscheider

Stellen Sie der KI offene Fragen, die zum Weiterdenken anregen, statt nach fertigen Lösungen zu fragen. So bleibt Ihre Urteilsfähigkeit gefordert und wird trainiert.

Prompt-Beispiel:
„Welche unterschiedlichen Meinungen könnten bei der Einführung eines neuen Leistungsbeurteilungssystems aufeinanderprallen?“

Lassen Sie sich Gegenargumente nennen, nicht nur Bestätigung

Bitten Sie die KI bewusst um kritische Einwände – das hilft Ihnen, blinde Flecken zu erkennen und fundierter zu entscheiden. Gerade in komplexen Personalfragen verhindert das voreilige Schlüsse.

Prompt-Beispiel:
„Was spricht dagegen, dass Remote Work die Unternehmenskultur schwächt? Nenne drei gute Gegenargumente.“

Verwenden Sie KI zur Struktur, nicht zum Inhalt

Geben Sie Ihre eigenen Gedanken ein und lassen Sie sich helfen, sie übersichtlich zu ordnen – aber nicht neu erfinden. Auch die Zugabe von Beispielstexten kann Antworten verbssern. So behalten Sie die inhaltliche Kontrolle und gestalten die Antwort individueller.

Prompt-Beispiel:
„Ich habe folgende Ideen zum Onboarding: [Ihre Notizen]. Kannst du mir daraus eine klare Gliederung mit drei Schwerpunkten machen – ohne neue Inhalte hinzuzufügen?“

Spielen Sie mit der KI Rollenspiele durch

Lassen Sie die KI beispielsweise den frustrierten Mitarbeiter oder den kritischen Experten spielen. Das bereitet Sie mental auf echte Gespräche vor und fördert Empathie und Vorbereitung.

Prompt-Beispiel:
„Spiele einen CEO, der Bedenken gegen eine neue Recruiting-Software hat. Stelle mir drei kritische Fragen dazu.“

Finden Sie mit KI heraus, was Sie noch nicht wissen

Fragen Sie konkret nach Wissenslücken – etwa bei neuen Themen wie KI-Einsatz im HR oder agilen Führungsmethoden. Je gezielter Sie lernen, desto souveräner agieren Sie.

Prompt-Beispiel:
„Welche drei wichtigsten Begriffe aus dem Change Management sollte ich als HR-Mitarbeiter kennen – und warum?“

Reflektieren Sie gemeinsam mit KI Ihre Entscheidungen

Schauen Sie im Nachhinein gemeinsam mit der KI auf eine Entscheidung und fragen Sie nach möglichen Denkfehlern. Das schult langfristig Ihre Urteilskraft.

Prompt-Beispiel:
„Welche typischen Denkfallen hätten meine Entscheidung beeinflusst haben können?“ (Beschreiben Sie kurz die Situation.)

 

W20ie KI das menschliche Denken fördern und verbessern kann, hängt auch davon ab, wie und in welchen Situationen man sie anwendet. Wer eine Recherche oder Fachanfrage ohne Präzisierung und konkrete Erwartungen an einen Chatbot delegiert und die Antwort ohne jede Anpassung verwendet, lernt nichts Neues und läuft Gefahr, immer bequemer zu werden.

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Der PRAXIUM Verlag ist der Fachverlag zum Personalmanagement und hrmbooks.ch die HR-Online-Fachbuchhandlung mit einem redaktionell recherchierten und praxisorientierten Fachinformations-Angebot. Einige Blog-Beiträge sind auch Auszüge daraus oder Beiträge seiner Autoren.

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