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Arbeitszeugnisse und Krankheit: Die Balance zwischen Ehrlichkeit und Fairness

Ashampoo Snap Tuesday July 2 2024 10h57m35s 1

Arbeitszeugnisse und Krankheit: Die Frage nach der Erwähnung von Krankheit im Arbeitszeugnis stellt Personalverantwortliche oft vor ein Dilemma. Einerseits gilt das Prinzip der Wahrhaftigkeit, andererseits das Wohlwollen.

Grundlagen und Rechtsprechung

Das Bundesgericht hat entschieden, dass Krankheiten dann im Zeugnis erwähnt werden müssen, wenn sie im Verhältnis zur Anstellungsdauer ins Gewicht fallen und ohne diese Information ein falscher Eindruck über die erbrachte Leistung entstehen würde. Allgemeine Formulierungen wie „aus gesundheitlichen Gründen genügen und das spezifische Krankheitsbild darf aus Datenschutzgründen nicht genannt werden.

Einzelfallbetrachtung und Verhältnismässigkeit

Jeder Krankheitsfall muss individuell betrachtet werden. Entscheidend ist, ob die Krankheit einen erheblichen Einfluss auf die Arbeitsleistung und das Verhalten hatte. Bei lang andauernder Krankheit, insbesondere wenn diese zur Kündigung führte, ist die Erwähnung der Krankheit notwendig. Beispiel: Ein Mitarbeiter ist nach einer Beförderung zwei Jahre krankgeschrieben – diese Information muss im Zeugnis stehen, um ein falsches Bild zu vermeiden.

Informationspflicht bei schweren Erkrankungen

Burnout, Alkoholmissbrauch und Depressionen sind Fälle, bei denen eine Erwähnung im Zeugnis sinnvoll ist, da diese auch zukünftige Arbeitsfähigkeit betreffen könnten. Hier kann die Rücksprache mit dem Arzt des Arbeitnehmenden klärend sein.

Gesundheitszustand bei Austritt

Die Frage, ob ein Mitarbeitender die Firma gesund oder krank verlassen hat, spielt ebenfalls eine Rolle. Hat der Mitarbeitende die Firma in gesundem Zustand verlassen und war nur in den letzten Monaten der Anstellung krank, kann auf den Hinweis verzichtet werden, wenn die Krankheit für den neuen Arbeitgeber nicht relevant ist. Bei kontinuierlichen gesundheitsbedingten Ausfällen während der Anstellung sollte ein Hinweis auf Krankheit im Zeugnis erfolgen, um Transparenz zu wahren.

Wahrheit und Klarheit vor Wohlwollen

Gesundheitsprobleme, die keinen Einfluss auf die Leistung hatten, dürfen nicht erwähnt werden. Ist jedoch eine Krankheit erheblich und langfristig, muss dies im Zeugnis stehen. Dies fördert Transparenz und schützt den neuen Arbeitgeber vor Fehlentscheidungen.

Formulierung mit Wohlwollen

Auch bei der Erwähnung von Krankheiten kann Wohlwollen gezeigt werden. Ein Beispiel: „Trotz langer Krankheit zeigte Herr Müller Engagement, arbeitete teilweise von zu Hause und führte seine Aufgaben gut aus. In einer weniger belastenden Position kann Herr Müller ausgezeichnete Leistungen erbringen.

Gespräch und Referenzen

Ein offenes Gespräch mit dem Mitarbeitenden über die Formulierung des Zeugnisses ist ratsam. Dies hilft, faire und akzeptable Aussagen zu treffen. Zudem können spezifische Informationen bei Referenzen hilfreich sein, um Missverständnisse zu vermeiden und die Bemühungen, um Fairness und Wohlwollen zu zeigen.

Zusammenfassend müssen Krankheiten im Arbeitszeugnis erwähnt werden, wenn sie die Leistung oder das Verhalten über einen längeren Zeitraum hinweg erheblich beeinflusst haben. Geheilte Krankheiten ohne Einfluss dürfen nicht genannt werden. Jede Krankheit muss individuell bewertet werden, wobei Wahrheit und Klarheit stets Vorrang haben sollten.

Musterformulierungen zur Erwähnung von Krankheiten im Arbeitszeugnis

Herr Muster war aufgrund gesundheitlicher Probleme für einen längeren Zeitraum arbeitsunfähig. Trotz dieser Einschränkungen zeigte er grosses Engagement und konnte seine Aufgaben, soweit möglich, gut erfüllen.

Frau Muster war über einen längeren Zeitraum krankheitsbedingt abwesend. In den Phasen ihrer Anwesenheit leistete sie jedoch stets qualitativ hochwertige Arbeit und zeigte grosse Einsatzbereitschaft.

Herr Müller schied aufgrund gesundheitlicher Probleme, die zu einem Burnout führten, aus unserem Unternehmen aus. Während seiner Genesungszeit zeigte er dennoch eine bemerkenswerte Einsatzbereitschaft und Verantwortung.

Frau Meier war längere Zeit aufgrund gesundheitlicher Probleme, die auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen sind, abwesend. Sie hat jedoch intensive Massnahmen zur Genesung ergriffen und zeigte während ihrer Anwesenheit grosses Engagement.

Herr Schmid war aufgrund gesundheitlicher Probleme längere Zeit arbeitsunfähig. Er zeigte jedoch stets den Willen, seine Aufgaben zu erfüllen, und wir sind überzeugt, dass er in einer weniger belastenden Position weiterhin erfolgreich sein kann.

Herr Bachmann war über einen längeren Zeitraum krankheitsbedingt abwesend. Diese Abwesenheit hatte einen Einfluss auf seine Leistung und führte letztlich zu einem Stellenwechsel. Während seiner Anwesenheit arbeitete er zuverlässig und engagiert.

Frau Huber war aufgrund einer schweren Depression längere Zeit arbeitsunfähig. Trotz dieser Herausforderungen zeigte sie in den Phasen ihrer Anwesenheit ein hohes Mass an Professionalität und Engagement. Wir sind überzeugt, dass sie in einer stabileren gesundheitlichen Phase hervorragende Leistungen erbringen kann.

Diese Formulierungen berücksichtigen sowohl das Wahrheitsprinzip als auch das Wohlwollen und bieten klare, aber respektvolle Hinweise auf krankheitsbedingte Abwesenheiten, ohne dabei spezifische Diagnosen zu erwähnen. Jeder Fall ist jedoch individuell und steht immer einem gewissen Kontext, wie dem des Alters eines Mitarbeitenden oder seiner Anstellungsdauer. Empfehlenswert sind auch Gespräche mit Mitarbeitenden, bei denen Sie sowohl auf Wohlwollen und Erwähnungspflicht von deren Krankheit hingewiesen und bestimmte Formulierungen in darauf basierender erklärt und begründet werden.

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