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Arbeitszeugnisse beurteilen: 20 Punkte für den Glaubwürdigkeits-Check

arbeitszeugnis schweiz

Arbeitszeugnisse beurteilen – oft eine wichtige Arbeit bei der Personalauswahl. Arbeitszeugnisse sind bei Einstellungen eine der wichtigsten Entscheidungsgrundlagen. Grund genug also, beurteilen zu können, welche Faktoren ein Arbeitszeugnis glaubwürdig machen und wo Vorsicht geboten ist. Diese 20 Checkpunkte helfen dabei.

Anmerkung: Dieser Beitrag ist grösstenteils ein Auszug aus dem Arbeitshandbuch für die Zeugniserstellung

Es ist wichtig, ein Arbeitszeugnis möglichst schnell auf seine Professionalität, Glaubwürdigkeit und den Aussagegehalt hin überprüfen zu können. Folgende Punkte sind bei ungenügenden Arbeitszeugnissen häufig anzutreffende Warnsignale, die Zweifel aufkommen lassen sollten. Umso häufiger folgende Mängel in einem Arbeitszeugnis auftreten und umso wichtiger sie sind, desto mehr Vorsicht ist geboten oder im Extremfall ein Arbeitszeugnis gar zu ignorieren.

Arbeitszeugnisse beurteilen: 20 zur Vorsicht mahnende Warnsignale

Es sind eher selten bewusste Täuschungen oder Fehlinformationen. Öfters sind es sprachliches Unvermögen, mangelnde Erfahrung von Arbeitszeugnis-Verfassern oder falsch verstandene Rücksichtnahmen.

  1. Sprachliche Mängel und Fehler, vor allem in Formulierungen
  2. Schwammige und nicht transparente Formulierungen
  3. Rechtschreib- und Grammatikfehler
  4. Starke Abweichung von der Arbeitszeugnis-Struktur
  5. Nicht der Funktion entsprechende Aufgaben und Tätigkeiten
  6. Viele codierungsverdächtige Formulierungen
  7. Widersprüchliche Aussagen und Beurteilungen
  8. Nennung von irrelevanten Aufgaben
  9. Nennung von irrelevanten Leistungen
  10. Nennung von irrelevanten Kompetenzen
  11. Nicht zur Position/Funktion passende Aufgaben und Tätigkeiten
  12. Fehlen wichtiger Bereiche wie Verhaltensbeurteilungen
  13. Diffuse Bedauernsformel oder ein Fehlen von dieser
  14. Übermässiges Lob und Lobeshymnen
  15. Weitgehend fehlende Kohärenz in wichtigen Bereichen wie Leistung
  16. Von anderen Arbeitszeugnissen stark abweichende Aussagen
  17. Viele Floskeln und weitgehend fehlender Aussagegehalt
  18. Krasse Fehler und Lücken in der Beurteilung von Kompetenzen
  19. Fehler in der Beurteilung und Beschreibung von Funktionen
  20. Fehlender Sinn für Relevanz, vor allem in Verhalten und Leistung

Arbeitszeugnisse beurteilen: Immer im Gesamteindruck

Je stärker auf Details oder Formulierungen eingegangen wird, desto grösser ist das Risiko von Fehlinterpretationen oder Missverständnissen. Fehlinterpretationen oder Missverständnisse können gleich zweifach auftreten: beim Zeugnisaussteller und dem beurteilten Arbeitnehmer. Wichtig ist auch, was gesagt und was nicht gesagt, bzw. bewusst weggelassen wird.

So kann eine kurze Anstellungsdauer oder ein deutliches “Nichtbedauern” des Wegganges eines Mitarbeiters sämtliche anderen Aussagen relativieren oder gar infrage stellen. Stellen Sie Aussagen auch immer konsequent in den Zusammenhang mit Ihren Anforderungen. Sind zum Beispiel Führungsqualitäten besonders wichtig, und kommen diese aber im Zeugnis nicht, oder nur sehr allgemein oder zurückhaltend zur Sprache, kann dies ein warnender Hinweis sein. Die Klärung im Gespräch mit dem Bewerber und die Präzisierung beim Einholen von Referenzen sind aber notwendig, um hier an zuverlässigere Hinweise zu gelangen.

Besonders gute und wohlwollende Arbeitszeugnisse beurteilen

Seien Sie sich bei der Beurteilung besonders guter und wohlwollender Zeugnisse bewusst, dass es hierfür jeweils verschiedene Motive und Gründe geben kann. Meistens ist der Arbeitgeber mit der Leistung und dem Verhalten wirklich sehr zufrieden. Es kann aber auch eine Kündigung vorliegen, durch die sich der Zeugnisaussteller moralisch verpflichtet fühlt, dem Mitarbeitenden mit einem besonders wohlwollenden Zeugnis behilflich zu sein.

Verfasst ein Mitarbeiter das Zeugnis mit Textbausteinen und Fachliteratur selbst, kann dies der Grund sein, dass es deshalb besonders professionell und wohlwollend ausfällt. Weitere Gründe können besondere Sympathien sein oder – eher selten, aber leider auch möglich – die Androhung von Klagen durch den Mitarbeiter. Ist ein Zeugnis mit nicht enden wollenden Lobeshymnen versehen, widerspricht es sich in manchen wichtigen Bereichen oder wirken Leistungsaussagen als Ganzes unglaubwürdig, ist Vorsicht geboten. Folgende Massnahmen geben mehr Klarheit und Sicherheit:

  • Genaue Abklärung durch das Einholen von Referenzen
  • Vergleich mit anderen Zeugnissen und Belegen
  • Fragen und Kontrollen bei persönlichen Interviews

Beurteilung mangelhafter und ungenügender Zeugnisse

Auch hier ist es wichtig, sich verschiedener Motive und Gründe des Zeugnisausstellers bewusst zu sein:

  • Probleme der Kompatibilität und Sympathie
  • Extrem hohe Ansprüche des Vorgesetzten oder des Unternehmens
  • Enttäuschung über den Weggang des Mitarbeitenden
  • Mangelhafte Kenntnisse im Verfassen professioneller Zeugnisse
  • Aus Imagegründen bewusstes Vorzeigen hoher Standards

Bei Referenzen zum Arbeitszeugnisse Beurteilen sollte man mit dem Zeugnisverfasser selber sprechen, um seine Kompetenz als Ganzes zusätzlich beurteilen zu können und offene Fragen zu klären. Unter Umständen kann aber auch die HR-Abteilung Klarheit schaffen und Fragen beantworten, da diese mit Zeugnisfragen oft besser vertraut ist. Die sprachliche Qualität bezüglich Formulierungen, Rechtschreibung, Interpunktion, Wortwahl, Stil, Tonalität usw. gibt oft viele Hinweise, ob das Risiko ungewollter Codierungen oder unklarer Aussagen gross bzw. ungewollt oder unbeabsichtigt ist. Der Beitrag zu Arbeitszeugnis und Arbeitsrecht enthält weitere wichtige Informationen rund um Arbeitszeugnisse.

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