Human Resource Management Mitarbeiterführung

Trennungsmanagement: Umgang mit der emotionalen Belastung

Die Kommunikation von Kündigungen ist für viele Führungskräfte eine hohe Belastung. Fragen, wie Gekündigte reagieren, welche Gefühle oder gar Aggressionen auf sie zukommen oder wie den verbleibenden Mitarbeiter entgegenzutreten ist, sind nur einige Beispiele der Ungewissheiten.

Die folgenden Punkte stellen Möglichkeiten dar, negative, belastende und verunsichernde Gefühle in einem Kündigungsgespräch und bei der Kündigungskommunikation generell zu balancieren, sie anzusprechen und als Unterstützung für den Gesprächsverlauf zu nutzen.

1. Achten Sie auf Ihre Gefühle

Gefühle können wir nicht einfach weg reden, auch wenn wir es häufig versuchen – besonders nicht einer solch belastenden Situation wie bei einer Kündigungskommunikation. Doch alle diese Aussagen vermindern die Gefühle meines Gesprächspartners nicht, sondern verstärken diese sogar im schlimmsten Fall. Deshalb ist es empfehlenswert, Gefühle wahrzunehmen, anzuerkennen und ernst zu nehmen.

2. Erkennen Sie Abwehrsteuerung

Als wichtigstes Warnsignal für negative Gefühle müssen Sie auf Signale von Rückzug oder Angriff achten. Sie sind immer ein Zeichen dafür, dass auf der Beziehungsebene eine Verletzung oder eine Verunsicherung stattgefunden hat. Äussere Hinweise dafür können folgende Verhaltensweisen sein:

Erkennen Sie bei sich oder Ihrem Gegenüber solche Verhaltensweisen, sollten Sie versuchen, beide Gesprächspartner wieder in die Erkundungssteuerung zu bringen. Am einfachsten gelingt Ihnen dies durch offene Fragen, Visualisierungen und aktives Zuhören. Achten Sie dabei sowohl auf Ihre inneren Reaktionen wie auf die Ihres Gegenübers. Wenn nötig wechseln Sie auf die Metaebene des Gesprächs (mental die Beobachter-Position einnehmen). Sprechen Sie darüber, wie Sie gerade miteinander umgehen und wie Sie besser miteinander reden oder umgehen wollen.

3. Schaffen Sie Erkundungssteuerung

Bieten Sie genügend Raum und Zeit für ein kritisches Gespräch und erzeugen Sie keinen Zeitdruck. Achten Sie auf eine entspannte und lockere Körperhaltung, auf eine ruhige aber engagierte Stimme. Stellen Sie offene Fragen und werten oder beurteilen Sie die Aussagen des anderen nicht. Hören Sie gut zu und bleiben Sie konzentriert bei der Sache. Wiederholen Sie, was Ihr Gegenüber mit seinem Gesagten meint, wenn Sie sich nicht ganz sicher sind, ob Sie ihn richtig verstanden haben (Aktives Zuhören).

4. Setzen Sie bewusst Fragen ein

Zeigen Sie durch Ihre Fragen, dass Sie ihrem Gegenüber richtig verstehen wollen. Zeigen Sie Interesse an seiner Person und an seinen Gedanken und Gefühlen. Bewerten Sie die Antworten nicht (auch nicht nonverbal) sondern versuchen Sie, die Antworten möglichst gut zu verstehen.

5. Drücken Sie eigene Gefühle aus

Wenn Sie eigene Gefühle ansprechen, so nutzen Sie ICH-Botschaften, in denen Sie Ihr unmittelbar erlebtes Gefühl klar ansprechen. Sie zeigen dadurch Gesprächsoffenheit und Mut und geben damit Ihrem Gesprächspartner die Möglichkeit, ebenfalls seine Gefühle anzusprechen. Ihre Reaktionen und Ihre Absichten werden dadurch transparenter.

6. Treffen Sie Vereinbarungen

Versichern Sie sich im schwierigen Gesprächen, ob alle Beteiligten mit der Vorgehensweise einverstanden sind. Sie teilen damit die Verantwortung für den Erfolg der Kommunikation und geben damit Ihrem Gegenüber die Möglichkeit, das Gespräch zu gleichen Teilen zu beeinflussen. Zum Beispiel: „Sind Sie mit dieser Vorgehensweise einverstanden?“ „Gibt es für Sie bessere oder wirkungsvollere Unterstützungsmassnahmen?“

7. Spiegeln Sie Gefühle

Wenn Sie bei Ihrem Gegenüber starke Gefühle wahrnehmen, diese aber nicht direkt geäussert werden, empfiehlt es sich, die Gefühle des Gesprächspartners widerzuspiegeln. Dies tun Sie, indem Sie ihn nach dem vermuteten Gefühl fragen. Überprüfen Sie in Ihrer Frage auch, ob es tatsächlich so ist, wie Sie vermuten. Diese Technik führt in den meisten Fällen dazu, dass sich Ihr Gegenüber öffnen kann und die emotionale Blockade sich dadurch löst, dass darüber gesprochen wird.

8. Teilen Sie sich selbst mit

Um kein Ungleichgewicht durch zu viele Fragen in der Kommunikation entstehen zu lassen, ist es notwendig, dass Sie etwas über sich selbst mitteilen. Sprechen Sie dabei in Form von ICH- Botschaften. Teilen Sie Ihre Absichten (Intention), Ihre Gefühle, Ihre Wahrnehmung der Situation oder etwas anderes über sich mit.

9. Metakommunikation

Reden Sie nach anstrengenden oder schwierigen Gesprächen mit Ihrem Gegenüber auch darüber, wie das Gespräch gelaufen ist.

  • Wurden die Gesprächsziele der Kündigung erreicht?
  • War das Gespräch effizient und empathisch?
  • Wie war die Stimmung in dem Gespräch?
  • Wie haben sich beide gefühlt?
  • Was war gut an dem Gespräch?
  • Was könnte beim nächsten Gespräch besser laufen?


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