Mitarbeiterführung

Auch emotionale Intelligenz kann man trainieren

Erfolg im Arbeitsleben basiert zu 50 Prozent auf Fachkompetenz. Die andere Hälfte hängt von den so genannten Soft Skills und der emotionalen Intelligenz ab – das belegen internationale Studien und zahlreiche Tests. Doch die EI ist erlern- und trainierbar.

Daniel Goleman, der Vater der emotionalen Intelligenz bezeichnete diese treffend und ganzheitlich als die Fähigkeit, die eigenen Gefühle gut zu kennen, die Fähigkeit, sich selber zu motivieren, sowie die Kompetenz, in Beziehungen mit den eigenen Gefühlen und jenen der Mitmenschen adäquat umgehen zu können. Um diese Fähigkeiten geht es auf einen Nenner gebracht bei den folgenden Empfehlungen zur Verbesserung und Stärkung der emotionalen Intelligenz.

Das Wort „Emotion“ leitet sich übrigens von dem lateinischen Wort „movere“ ab, was „bewegen“ bedeutet. Das „e“ davor gibt dem Wort den Sinn von „hinausschaffen“ oder „hinwegbewegen“. Wenn man diese Begriffe heranzieht, wird klar, dass Emotionen etwas bewegen und mit dem „Hinwegbewegen“ eine Handlung verbunden ist. Das ist zum Verständnis der emotionalen Intelligenz nicht nur interessant, sondern auch wichtig. 

1. Ein besseres emotionales Bewusstsein entwickeln

Lernen Sie, Ihre eigenen Gefühle bewusst wahr zu nehmen und auf die innere Stimme zu hören. Dabei ist es wichtig, herauszufinden, welche Auslöser weshalb für bestimmte Gefühlslagen verantwortlich sind und was diese bewirken. Wenn Ihnen in einer Situation bewusst ist, dass Sie wütend, frustriert oder euphorisch sind oder jemandem zu Unrecht mit Vorurteilen und Antipathie begegnen, können Sie Ihr Verhalten besser steuern und bestimmte Situationen sachlicher und selbstkritischer angehen und angemessener reagieren. Emotionen sind kein Zufall.

Sie werden durch ganz bestimmte Faktoren ausgelöst, verändern sich nach festgelegten Regeln und sind nachvollziehbar. Ihre Kenntnis der Gefühlswelt spiegelt sich in Ihrem diesbezüglichen Wortschatz und in Ihrer Fähigkeit zu emotionalen Was-wäre-wenn-Analysen wider. Dieser Selbsteinschätzungs-Vorgang hält negative Emotionen eher unter Kontrolle und hilft auch, sich der eigenen Gefühlslage und gewissen Auslösern bewusster zu werden.

2. Mit Emotionen motivieren und anspornen 

Wer andere für die Arbeit, ein Projekt und Ziele begeistern und motivieren will, muss es selbst auch sein und mit gutem Beispiel vorangehen. Versuchen Sie deshalb bewusst, sich an Arbeitsinhalten, Ergebnissen oder Situationen zu freuen und Aufgaben mit positiver Haltung so zu kommunizieren und anzugehen, dass diese Begeisterung ansteckend wirkt.

Die Basis wirklicher Spitzenleistungen haben oft emotionale Gründe oder Verhaltensweisen, wie Begeisterungsvermögen, Spass und Herausforderungen, Veränderungen zu bewirken oder einfach nur die Chance, mit einem Team gemeinsam ein interessantes Ziel anzupeilen und zu erreichen. Wichtig ist diese Erkenntnis: Emotionen sind oft der Motor ausserordentlicher Leistungen und ausgeprägter Motivation. Nichts beeindruckt Mitarbeiter dermassen stark und glaubwürdig, wie Aufgaben und Ziele mit positiven und kraftvollen Gefühlen anzugehen, Erfolge zu feiern, Begeisterung zu zeigen, Fortschrittte zu loben und gute Ideen positiv zu würdigen.

3. Ein positives Menschenbild entwickeln

Nur wer anderen mit Respekt begegnet, Leistungen würdigen kann, Talente wertschätzt und diese bei Mitarbeitern weiter entwickeln hilft, ist auf Dauer eine glaubwürdige Führungskraft, die eine Vertrauensbasis aufbauen kann. Die Mitarbeiterförderung, Aufgaben, bei denen Mitarbeiter ihre Talente einsetzen können, Weiterbildungsmöglichkeiten, aber auch das Interesse für private Projekte und Probleme sind Zeichen der Wertschätzung und der positiven Grundhaltung gegenüber Teams und Mitarbeitern. Um effektiv zu kommunizieren, müssen wir die Emotionen anderer genau erkennen und in der Lage sein, eigene Emotionen klar zu vermitteln und auszudrücken.

4. Emotionale Netzwerke aufbauen und entwickeln

Entscheiden Sie, wer in Ihrem Netzwerk wirklich wichtig ist, mit wem Sie kompatibel sind und wer für die gleichen Werte und Ziele einsteht und darnach handelt wie Sie. Zu den darnach ausgewählten Personen sollten Sie tragfähige Beziehungen aufbauen, möglichst häufig den persönlichen oder telefonischen Kontakt suchen, Hilfe anbieten und Wissen teilen und über die Geschäftsbeziehung hinaus auch private Kontakte pflegen. Bei der Pflege von Netzwerken ist ein ausgewogenes Geben und Nehmen wichtig.

5. Empathie stärken und trainieren

Mit Empathie ist die Fähigkeit gemeint, emotionale Befindlichkeiten anderer Menschen zu verstehen, sich in deren Lage versetzen zu können und angemessen – und wenn notwendig einfühlsam – darauf zu reagieren. Empathie ist eine besonders wertvolle und wichtige Säule der emotionalen Intelligenz, mit der man das Vertrauen der Mitarbeiter gewinnt, sich ihnen zuwendet, Respekt beweist und gutes Zuhörer praktiziert. Versuchen Sie, anderen bewusst zuzuhören, Signale aufzunehmen und dabei ein feines Sensorium zu entwickeln. Öffnen Sie sich selbst und geben Sie anderen Auskunft über Ihre eigenen Emotionen: „Ich habe gestern den Eindruck gehabt, dass…“ oder „Bei unserem letzten Gespräch hatte ich ein ungutes Gefühl, weil…“

6. Neues wagen und Verhalten variieren

Wir sind unseren Emotionen keineswegs ausgeliefert, sondern können sie frühzeitig wahrnehmen und steuern und uns selber dazu bringen, zuweilen neue Denkstrukturen und Verhaltensweisen auszuprobieren, statt reflexartig der Macht der Gewohnheit zu unterliegen und beispielsweise Wut oder bestimmte Empfindlichkeiten als schicksalsgewollt hinzunehmen. Die Strategie „Tu immer wieder etwas Neues, statt das Gleiche nochmals!“ ist nicht nur erfolgreich, sondern wirkt auch befreiend und gibt Chancen, unseren Umgang mit Mitarbeitern und Partnern – und vor allem auch uns selber – weiter zu entwickeln und an ihnen und uns neue Seiten zu entdecken. Sie ist Teil eines eigenständig und selbstverantwortlich geführten Lebens.

7. Die Kraft von Visionen und Zielen erkennen 

Die Kraft unserer Gedanken arbeitet nach der Konkretisierung einer Vision, einer Idee oder eines Ziels fast automatisch an deren Verwirklichung! Die Emotionen sind dabei die treibende Kraft. Unsere Gedanken, Zielvorstellungen und Pläne in Verbindung mit starken Emotionen sorgen dafür, dass wir die zur Zielerreichung erforderlichen Schritte tatsächlich gehen und zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Entscheidungen treffen.

Wichtig ist insbesondere die Formulierung von Zielen, um nicht zu sagen einer Vision, wenn es die gesamte Unternehmung betrifft. Ein klar formuliertes Ziel motiviert, Handeln, Tatkraft – ja und vielleicht sogar Begeisterung – aufzubringen, um das Ziel zu erreichen. Ziele mobilisieren Kräfte und setzen Energie frei. Wenn Ziele nicht nur „von oben“ befohlen, sondern gemeinsam mit Zielvereinbarungen erarbeitet werden, findet im Idealfall sowohl intrinsische (von innen kommende) als auch extrinsische (von aussen kommende bzw. abhängende) Motivation statt.


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