Human Resource Management Personalentwicklung

Erfolgreiches und effizientes Lernen: die 20 wirksamsten Regeln

 

Aus der Praxis der Personalentwicklung, der empirischen Lernpsychologie, der Neurologie und aus Studien kennt man inzwischen die für ein erfolgreiches Lernen relevanten und hilfreichen Regeln recht gut.

Ganz gleich, ob Sie eine Fremdsprache lernen, in der Personalentwicklung das Lernen für Ihre Mitarbeitenden effizienter und erfolgreicher machen möchten, selber eine HR-Aus- und Weiterbildung beginnen oder sich einfach nur der Bedeutung des lebenslangen und selbstverantwortlichen Lernens bewusst sind – die nachfolgenden praktischen Regeln und Empfehlungen sind mit Sicherheit hilfreich. Sie müssen nicht alle beherrschen, einige davon konsequent einhalten bewirkt bereits viel. Wählen Sie jene aus, die am besten zu Ihrem individuellen Lernverhalten passen und mit denen Sie schon in der Vergangenheit erfolgreich waren.

1.   Wiederholen – wiederholen – wiederholen

Die wichtigste Regel überhaupt. Das weiss die Werbung schon lange. Sie ist einfach, erfordert aber Disziplin. Systematisch Wiederholtes wird vom Gehirn besser behalten, weil es seiner Funktionsweise entspricht. Die Lernmotivation und das vollumfängliche Verstehen des Lernstoffes gehören dazu. Möglichst in wechselnden Intervallen und veränderten Lernstoff-Aufbereitungen gelingt dies noch besser. Gut ist hier auch der Einsatz von digitalen Aufgaben- oder Termin-Remindern.

2.   Lernumgebung wechseln

Emotionen und Wohlbefinden haben Einfluss auf den Lernerfolg. Lernen in guter Stimmung mit angenehmem Licht, einladenden Farben und stimmungsvollen Räumen verstärkt den Einfluss auf den Lernerfolg, weil dies auch Entspannung und Konzentration fördert. Musik ist hingegen laut neuesten Forschungen weniger lernfördernd als vielfach angenommen. In Unternehmen ist das Blended Learning, also die Kombination zwischen digitalen und traditionellen Lernformen oft ein guter Weg.

3.   Bilder und Mindmaps

Unser Gehirn, bzw. Unterbewusstsein mag und bevorzugt Bilder. Gelerntes also möglichst visualisieren, mit Bildern assoziieren und Mindmaps erstellen, welche zugleich auch hervorragende Zusammenfassungen des Wesentlichen sind. Dafür gibt es hilfreiche Software, wie diese Mindmapping-Tools. Auch Bildrecherchen bei Goolge oder die Suche nach PowerPoint-Präsentationen (bei Google unter den Einstellungen als Dateityp einrichtbar) zu Lernthemen sind ein Weg. Ein hervorragendes und innovatives Visualisierungs-Instrument ist auch Prezi.

4.  Arten der Wissensaufnahme

Wissen permanent auf die gleiche Weise eintrichtern ist ineffizient. Verschiedene Methoden wie Lesen, Hören, Lernsoftware, Diskussionen, Videoreportagen, praktisches Handling sind ergiebiger und aktivieren die Gehirnzellen stärker. Besonders Youtube bietet sich hier mit vielen Aufbereitungsarten (Reportagen, Vorträge, Demonstrationen, Storys, Schaubilder usw.) an. Schnell-Lesetechniken wie Rapid-Reading sind ebenfalls empfehlenswert.

5.  Das Wundermittel Flow

Mit höchster Konzentration und Hingabe geraten wir in einen meditationsähnlichen Flow, der einen freien Gedankenfluss und damit höchste Aufnahmekapazitäten erzeugt. Mit positiven Emotionen aus eigenem Erleben verbundenes Lernen gelingt dann noch besser und dringt in tiefe Sphären des Unterbewusstseins.

6.  Beispiele statt Theorien

Theorie ist auch für das Gehirn grau und langweilig. Fallbeispiele, Geschichten, Bezüge, Bilder zu persönlichen Erfahrungen und zu Erlebtem vor allem emotionaler Natur, machen die Wissensaufnahme und -verarbeitung einfacher und nachhaltiger. Dies können auch assoziative und fiktive Beispiele oder Youtube-Kurzfilme sein, über die man anschliessend im Team oder Familienkreis spricht.

7.   Verschiedene Sinnesorgane einsetzen

Gelerntes mit einem Audio-Book oder Podcast hören, in Mediatheken oder auf Youtube nach einer Dokumentation suchen, Spracheingaben von Kerninhalten in das Smartphone oder die Teilnahme an einem Webinar; Möglichkeiten gibt es viele. Wer verschiedene Sinnesorgane einsetzt, verstärkt die Aufnahmebereitschaft des Gehirns. Ob es den visuellen oder auditiven Lerntyp wirklich gibt, ist man sich übrigens nicht mehr sicher.

8.  Weg von PC und Büchern

Ablenkung mit einem Spaziergang in der Natur oder Musikhören zwischendurch entspannt und steigert die Aufnahmefähigkeit des Gehirns. Dabei sollte es sich um möglichst gewohnheitsmässige routiniert ablaufende Aktivitäten handeln, damit Raum für Lernreflexionen und Stoffverarbeitung bleibt. Optimal sind Pausen nach ein oder zwei Stunden von 15 bzw. 30 Minuten. Hier wirkt auch der sogenannte Recency-Effekt, nach dem jeweils bei einem Lernunterbruch die letzten Lerninhalte im Gedächtnis gespeichert werden.

9.   Praxisnähe und Praxisbezug

Was persönlichen Bezug zu eigenen Erfahrungen, Kenntnissen, Erlebnissen, Vorlieben, Aufgaben und Talenten hat, wird eher aufgenommen als trockene, theoretische Details. Die Verbindung und Assoziation des Lernstoffes mit eigenen Erfahrungen und Arbeitssituationen vor allem emotionaler Art verbessert das Lernen nachhaltig, denn das Verknüpfen neuer Informationen mit bereits vorhandenen beschleunigt den Lernprozess. Ideal ist die sofortige Anwendung in der Praxis, wenn es um neue Arbeitshilfsmittel oder Verhaltensweisen geht. Die Methode des „Learning on doing“ – auch wieder mit Wiederholungen – ist ebenfalls sehr wirksam.

10.  Aktivieren des Lernstoffes

Was aktiv verarbeitet wird, wird vom Gehirn besser verstanden und behalten, denn Gehirn-Synapsen verbinden sich dann neu. Lernstoff sollte umgesetzt, angewendet, diskutiert, erprobt und in der Praxis mit Beobachtungen und Erfahrungen vertieft und verinnerlicht werden. Beispiel: Bei einer Marketingausbildung sich draussen bei einem Plakat fragen, welches Marketingziel damit wohl angestrebt wird. Diese Regel gilt ganz besonders zusammen mit der Wiederholung auch für neue, veränderte Verhaltensweisen.

11.   Eigenständiges Erarbeiten

Kurzvorträge mit eigenen Worten halten, Zusammenfassungen in einem neuen Kontext schreiben oder Notizen in Evernote oder via Sprachmemo auf Handy. Eigenständig erarbeiteter und veränderter Lernstoff wirkt stärker, da man sich aktiv damit auseinandersetzt. Wichtig ist dabei auch: Keep it simple, Lernstoff auf das Wesentliche reduzieren und vereinfachen. Die anschliessenden Schritte der a) Fokussierung, b) der Reduktion und dann c) des Intensivierens verhelfen zu noch mehr Lerneffizienz.

12.  Relevanz bestimmen

Beurteilen lernen, was vom zu Lernenden für den Job oder das Privatleben relevant und was unwichtig ist. Dies können Zusammenfassungen und Stichwort-Notizen, Audio-Aufnahmen mit dem Smartphone und auch der Erfahrungsaustausch im Team oder in der Familie sein. Auch Praxis-Feedback von Personen, die bereits Erfahrung in der Anwendung und im Umgang von Erlerntem haben, sind dabei hilfreich. Lernprozesse sollten zudem aktiv und bewusst erlebt, gestaltet und reflektiert werden.

13.  Omnipräsenz des Lernstoffes

Möglichst oft präsenten Lernstoff in diversen Darstellungsformen einrichten und sichtbar machen. Post-its auf dem PC-Desktop oder in der Jackentasche, Lern-Stichwörter in der digitalen Agenda oder im Notizbuch, Zusammenfassungen oder Mindmaps auf dem Smartphone oder neben dem Lesesessel sind einige Beispiele.

14.  Lernen zur Gewohnheit machen

Unser Gehirn liebt Routine und Gewohnheiten, es versucht, unnötigen kognitiven Aufwand zu vermeiden. Machen Sie es sich zur Gewohnheit zu lernen, Neues anzuwenden, zu wiederholen und Erlerntes zu vertiefen. Lernen zur Routine machen geht einher mit selbstverantwortlichem und lebenslangem Lernen. Das Lernen sollte wenn immer möglich in den Alltag integriert werden. Empfehlenswert sind bestimmte Lerntage und Lernzeiten.

15.  Erlerntes im Gespräch verwenden

Mit Kollegen und vor allem auch im Team über das Lernthema reden, Meinungen einholen, Fragen stellen, Lebenspartner oder Familienmitglieder um ein Abfragen des Stoffes bitten, sich zum Thema interviewen lassen  – was in den aktiven Dialog und ins Gespräch gelangt, bleibt besser haften und dringt tiefer in das Gedächtnis ein.

16.  Lernen-Schlafen-Lernen

Genügend Schlaf ist für den Lernerfolg sehr wichtig, auch der Wechsel von Lernen-Schlafen-Lernen ist hilfreich. Neue Studien zeigen, dass schon mit einer Stunde Schlaf ähnliche Lernerfolge erzielt werden können wie mit einem Nachtschlaf. Intensives Lernen nach autogenem Training oder anderen Entspannungsübungen ist besonders effektiv.

17.  Ordnung schaffen mit Strukturen

Unser Gehirn liebt Ordnung und Strukturen. Deshalb ist das Strukturieren und Ordnen von Lernstoff in Themenblöcke oder Lektionen oder der Einsatz von Lernkarten wie hier bei Quizlet, auch online möglich, sehr hilfreich. Auch die Strukturierung der Aufnahme und Wissensverarbeitung gehört dazu. Bei einer PowerPoint-Präsentation lernt man gleich doppelt: Beim Erstellen und Strukturieren der Folien und beim Referat im Team.

18.  Spielerisch lernen

Spielerisches Lernen mit Spass, vor allem im Team, entkrampft, erhöht die Aufnahmebereitschaft und ist je nach Stoff, Lerntyp und Lernziel eine empfehlenswerte Methode, die auch zur Lernmotivation beiträgt. Sogar Sketches zu Lernthemen sind möglich. Ein Beispiel für spielerisches Lernen im Unternehmen bieten diese Simulatoren von Gamelearn.

19.  Lernziele und Teilziele

Lernziele und Teilzeile mit kleinen Lerneinheiten sind wichtig, weil sei comitten, bzw. verpflichten und das Erreichen von Lernzielen motiviert. Hier spielt vor allem das E-Learning seine Stärken aus, da Lernende mit Fortschritts-Anzeigen und Zielerreichungen stets auf dem Laufenden sind und diese mit positivem Lern-Feedback zum Weiterlernen anhalten. Stichwort Motivation: Belohnen Sie sich bei Lernerfolgen oder erreichten Zielen mit kleinen Dingen.

20. Digitale Medien nutzen

Das E-Learning, auch online und in der Cloud, beinhaltet viele dieser Regeln, zum Beispiel mit Lernfortschritts-Angaben, Wiederholungs-Funktionen, wichtigem Lern-Feedback, verschiedene Lernformen mit visuellen oder animierten Zugaben und mehr. Auch das noch wenig bekannte Social Learning in sozialen Netzwerken oder das Bilden von Lerngruppen, beispielsweise bei Facebook, kann ein Versuch wert sein. Hier lassen sich auch die Lernperspektiven erweitern und der Erfahrungsaustausch intensivieren.

Das sehr empfehlenswerte und kostenlose Online-Lernkarten-System Quizlet oder der Sprachkurs Babbel zum Englischlernen sind zwei gute Beispiele. Zu Lern-Kernthemen bietet sich auch Google Alerts an, wo man via Stichworteingabe Alerts zu neuen Websites zum Lernthema erhält. Auch Buchzusammenfassungen wie Getabstract (hier kann man sich Texte, beispielsweise auf Smartphones, auch anhören) sind nützlich und erweitern den Lernstoff.

 


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