Personalgewinnung

Storytelling – auch für das Personalmarketing geeignet?

Wenn es um Employer Branding geht, fällt oft der Begriff Storytelling. Personaler sollen Geschichten erzählen, um Bewerber zu begeistern. Doch was heisst das in der Praxis des Human Resource Managements? Wir haben mit Storytelling Experte Sascha Baron gesprochen.

Herr Baron, was verstehen Sie als Videojournalist unter Storytelling?

Die Idee die dahinter steckt ist relativ alt: Wer eine lebendig Geschichte erzählt, erhält mehr Aufmerksamkeit als wenn ich langweilige Fakten aufzähle. Jeder Journalist nutzt Storytelling. Denken Sie an Reportagen. Aber auch bei einer Firmenpräsentation oder Vortragsveranstaltung wird die Methode Storytelling genutzt. Was hat jetzt Storytelling mit Employer Branding zu tun? Nun, wenn Unternehmen eine Arbeitgebermarke aufbauen, dann ist Glaubwürdigkeit der wichtigste Faktor. Und dabei kann Storytelling sehr nützlich sein.

Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Ein Beispiel: Sie wollen ein tolles Arbeitsklima im Unternehmen thematisieren. Nun kann ich mir dieses Attribut als Arbeitgeber einfach anheften oder ich lasse meine Mitarbeiter einfach über ihre Arbeit erzählen. Hier ein Videobeispiel, welches ich für das Forschungszentrum Jülich produziert habe:

Ein Videobeispiel

Viele denken bei Storytelling, sie müssen jetzt wie ein Spielfilmautor die grosse (fiktive) Geschichte erzählen. Es geht hier vielmehr um eine journalistische Herangehensweise: die Realität darzustellen um möglichst konkret und plastisch zu erzählen. In diesem Videobeispiel die Geschichte eines Entwicklungsingenieur, der seine Arbeit liebt.

Warum ist Storytelling gerade für Personaler so interessant?

Storytelling zwingt mich dazu die richtigen Fragen im Employer Branding zu stellen. Nehmen wir die Entwicklung der Arbeitgebermarke. Es ist nicht einfach Attribute und Eigenschaften zu finden, die das Unternehmen als Arbeitgeber charakterisieren. Oftmals arbeitet man hier wie ein Werbetexter oder man nutzt denselbigen. Entsprechend inhaltsleer und kontraproduktiv ist das Ergebnis.

Nutze ich die Methode Storytelling befrage ich meine Mitarbeiter. Die haben genügend anschauliche Geschichten aus der tagtäglichen Arbeit. Und jede Geschichte sagt auch etwas über den Arbeitgeber aus. Ein Beispiel aus meiner Arbeit: Ich habe für den Lautsprecherhersteller Teufel in Berlin mit vielen Mitarbeitern gesprochen. Und schnell war klar, was das besondere an dem Arbeitgeber ist: Die Leidenshaft der Mitarbeiter für Musik.

Hier das Ergebnis

Wir alle wissen, ein Arbeitgeberversprechen funktioniert nur, wenn es intern auch gelebt wird. Mit den Geschichten der Mitarbeiter erfahre ich also nicht nur etwas über die Attraktivität des Arbeitgebers. Ich kann die Arbeitgebermarke auch authentisch und glaubhaft kommunizieren.

Welche interessante Ideen gibt es für Sie im Storytelling?

Denken Sie an ein Textinterview oder Podcast mit einem Mitarbeiter. Einen typischen Tagesablauf kann ich eben besonders gut mit einer Bildgeschichte erzählen. Stellen Sie sich vor Sie wären der Chefredakteur einer Onlinezeitung, die ausschließlich Geschichten über die Arbeitswelt Ihres Unternehmens veröffentlicht. Nun kommen Sie ganz automatisch auf Ideen für Storytelling.

  • Serie Jobportrait: Was unsere Wirtschaftsinformatiker machen, wenn der Strom ausfällt
  • Ein Azubiblog: Mein erster Tag im Unternehmen
  • Audioumfrage: Warum sich unsere Mitarbeiter wohl fühlen
  • Geschäftsführerinterview: Die 3 schönsten Kundenerlebnisse im letzen Quartal

Worin liegt die Stärke von Videogeschichten?

Die obige Liste liesse sich beliebig fortführen. Jeder dieser Geschichten gibt dem Unternehmen ein Gesicht als Arbeitgeber. Stärkt die Marke und die Glaubwürdigkeit. Und ganz nebenbei habe ich noch hervorragend Content für meine Karriereseiten, Stellenanzeigen, Arbeitgeberprofile und sozialen Kanäle.

Wir haben hier für Bitburger eine Serie Jobportraits
gemacht mit vielen Videos, Fotos und Podcasts.

Aber auch eine Stellenanzeige funktioniert mit Storytelling. Nur kleines Beispiel: Ich kann als Unternehmen sagen, dass die Dauer der Betriebszugehörigkeit der Mitarbeiter bei durchschnittlich 11 Jahren liegt. Ich kann aber auch von Felix Baum erzählen, der seit 32 Jahren im Vertrieb arbeitet. Sofort erhält die Information ein Gesicht und eine kleine Geschichte.

Warum tun sich Personaler so schwer mit dem Thema?

Nicht nur Personaler tun sich schwer, auch viele Agenturen. Das hat viele Gründe. Personaler kommen oftmals nicht aus Kommunikationsberufen. Sie sind zum ersten Mal mit ganz neuen Fragestellungen konfrontiert.

Personalmarketingagenturen agieren oftmals nur als Reichenweitengenerator. Der Fokus liegt klar auf Stellenanzeigen und Kampagnen und weniger auf Storytelling. Oftmals fehlt einfach auch ein journalistischer Hintergrund. Wir haben oftmals die Situation, dass Unternehmen viel Geld für Reichweite ausgeben. Kurz gesagt zahlen sie dafür, dass Jobsuchende ihre Anzeigen sehen und draufklicken.

Der Klick führt dann oftmals zu einer Karriereseite oder Stellenanzeige, die wenig Lust macht eine Bewerbung loszuschicken. In der Art und Weise wie Unternehmen sich als Arbeitgeber präsentieren, gibt es enormen Nachholbedarf. Und genau hier kann die Methode Storytelling sehr hilfreich sein.

Über den Autor

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Sascha Baron ist Videojournalist und bietet mit seinem Unternehmen dreilandmedien GmbH Storytelling für Unternehmen an. Der Saarländer hat sich auf die Produktion von Foto, Video- und Audiocontent im Employer Branding spezialisiert. Sein Team produziert Recruiting-Videos und multimediale Stories für Agenturen und Unternehmen wie Monster, Königsteiner, TEVA, LVM Versicherungen oder Bitburger.

 

 


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