Human Resource Management

Lohntransparenz: Im Grundsatz ja, aber…

Die Lohntransparenz ist im und ausserhalb des HR vielerorts ein Diskussionsthema, bei dem die Meinungen weit auseinander gehen und sowohl Argumente dagegen wie auch dafür gute Gründe haben.

Situation in der Schweiz

In der Schweiz machen immer mehr Start-ups und kleinere Firmen mit innovativen Lohnsystemen und weitgehender Transparenz von sich reden, die beispielsweise auch gleiche Löhne für alle Mitarbeiter festlegen. Im Schnitt doch schon jede zweite Firma Mitarbeiter immerhin wissen, wie die Saläre zustande kommen und wie es um die Lohnpolitik steht. In jedem zehnten Betrieb gibt es allerdings auch Richtlinien, die es Mitarbeitenden gar verbieten, mit Arbeitskollegen über den Lohn zu sprechen. Rund 40 Prozent der Schweizer Unternehmen geben Löhne und Lohnklassen in aggregierter Form bekannt. Wie transparent Unternehmen in Salärdingen sind, ist von mehreren Faktoren wie der Zusammensetzung der Belegschaft und der Lohnpolitik abhängig.

Vorteile und Nachteile

Löhne offen zu legen und transparent zu machen, hat Vor- und Nachteile. Es besteht ein Trend zu mehr Transparenz, was an sich positiv ist Konfliktstoff und Gerückte abbauen kann. Es kommt unter anderem jedoch darauf an, wie weit die Transparenz gehen, wie detailliert sie sein soll und wo sie angewandt wird, beispielsweise auch gegen aussen in Stellenausschreibungen oder nur intern. Ob die Vor- oder die Nachteile einer weitgehenden und konsequenten Lohntransparenz überwiegen, wird vielfach von der generellen Offenheit der Unternehmenskultur, dem allfälligen Lohngefälle, individuellen Präferenzen und dem Vergütungssystem als Ganzes beeinflusst.

Wichtige Voraussetzungen

Wird eine Lohntransparenz praktiziert, sind eine allen bekannte und nachvollziehbare, verständliche und auf Fairness, Anforderungs- und Leistungsgerechtigkeit angelegte Lohnpolitik und Lohnsysteme eine wichtige Voraussetzung. Dies umfasst beispielsweise die genaue Abgrenzung von Funktionen und die Festlegung und Definitionen von Lohnstufen. Dazu gehört auch die Unternehmens- und Kommunikationskultur, d.h. wie viel Offenheit diese zulässt und wie man es in anderen Bereichen mit der Transparenz hält. Ein positiver Aspekt von Lohntransparenz ist auch, dass offener über Leistungen gesprochen werden kann und damit auch das Leistungsverständnis gefördert wird.

Gefahr von Neid und Missgunst

Herrschen grosse Lohngefälle und arbeiten in einem Unternehmen viele Geringverdiener, wirkt sich Transparenz negativ auf die empfundene Lohngerechtigkeit aus und kann schnell zu Neid und Missgunst führen. Transparenz kann dies jedoch auch verhindern helfen, da Mitarbeiter oft dazu neigen, die Löhne anderer zu überschätzen und zu sehr spekuliert wird. Schweden geht übrigens sogar so weit, die Einkommen aller ihrer Bürger von Gesetzes wegen öffentlich zu machen.

Resultate von Studien und Befragungen

Aktuelle Studien machen einen leichten Trend hin zu mehr Lohntransparenz aus. Dies hat auch mit dem Umstand zu tun, dass Mitarbeiter heutzutage immer leichter detaillierte Salärangaben und Lohnanalysen ausfindig machen können. Eine Befragung im Netzwerk Xing ergab sogar, dass sieben von zehn Arbeitnehmern in der Deutschschweiz die Offenlegung aller Einkommen begrüssen würden. Als Grund dafür wurde mehr Fairness angegeben und die Erwartung, davon auch persönlich in Lohnverhandlungen und Lohnerwartungen in einer vorteilhafteren Position zu sein.

Lohnspanne als Kompromiss

Ein guter Kompromiss ist die Angabe einer Lohnspanne für verschiedene Lohnkategorien wie Funktionen und Positionen. Lohntransparenz ist besonders auch beim Recruiting ein Vorteil, da sie zu effizienteren Gesprächen führt, zur Arbeitgeber-Attraktivität beiträgt und Bewerber mit unrealistischen Vorstellungen im Vorneherein ausgeschieden werden können. Unternehmen machen im Allgemeinen gute Erfahrungen mit Lohntransparenz.

 


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