Mitarbeiterführung

Gehalt und monetäre Anreize: Motivieren sie nun oder nicht?

Im Zusammenhang mit Fragen der Vergütungsstrategie ist das Hinterfragen der Motivationswirkung von Lohn und Geld zentral und sollte im Interesse einer ganzheitlichen Betrachtungsweise in die Überlegungen eines Vergütungssystems einfliessen.

Grundsätzlich sind materielle Anreize durchaus ein Instrument zur Motivation. Es ist mittlerweile in nicht wenigen Studien und Untersuchungen nachgewiesen, dass das Gehalt bei weitem nicht der wichtigste Motivationsfaktor ist, wenig Nachhaltigkeit hat und nicht als alleiniges Motivationsinstrument betrachtet werden sollte. Im Verbund mit nicht monetären Anreizen und einer Unternehmenskultur, die Sinngebung, Entfaltungsmöglichkeiten und einen respektbasierenden und partnerschaftlichen Führungsstil ins Zentrum der Bemühungen stellt, wirken monetäre Anreize allerdings als verstärkend.

Wirkungsebenen materieller Anreize

So wie die maslowsche Bedürfnispyramide die Bedürfnishierarchien aufzeigt, kann man dies auch mit den Wirkungsebenen von Geld, Lohn und materiellen Anreizen überhaupt darstellen. Geld ist als solches stark von den individuellen Grundwerten von Menschen und Mitarbeitern abhängig, wie dies bei der Bedeutung von Karriere oder Erfolg auch der Fall ist.

Materielle Motivatoren sind nicht dauerhaft

Der Harvard-Professor Alfie Kohn hat aufgezeigt, dass es keine einzige Studie weltweit gibt, die eine dauerhafte Leistungssteigerung durch monetäre Anreizsysteme nachgewiesen hätte, wobei die Betonung auf „dauerhaft“ liegt. Natürlich kann man mit Geld kurzfristige Motivationsschübe erzeugen, – mit den entsprechenden kontraproduktiven Langfrist-Konsequenzen: permanente Erhöhung der Reizniveaus, Unzufriedenheit als Verwöhnungsfolge, Belohnungssucht und das Kooperationsklima leidet. Ganz entscheidend ist dabei die grosse Gefahr, dass die Bindung an die Aufgaben und Ziele durch die Bindung an das Geld ersetzt wird.

Materielle Motivatoren können sogar kontraproduktiv sein

Darüber hinaus weist Kohn einen Effekt nach, der in der Arbeitswelt der Zukunft immer wichtiger werden wird: „Je mehr Menschen über Belohnungen nachdenken, desto mehr bevorzugen sie leichte, kurzfristig lösbare und tendenziell quantitative Aufgaben. Kreativität und Qualität bleiben auf der Strecke.“. Hohe Gehälter sind zudem nicht selten die Ursache für eine negative Personal-Selektion: Leistungsschwache Mitarbeiter und Führungskräfte verbleiben im Unternehmen, weil sie für ihre Leistung nirgendwo sonst soviel verdienen.

Nur im Zusammenspiel ist materielle Motivation wirksam

Lohn, Provisionen und Fringe Benefits zeigen dem Mitarbeitenden faktisch und genau bezifferbar, wieviel seine Leistung und Arbeitskraft dem Arbeitgeber wert ist und wie hoch er diese einschätzt. So betrachtet kann man materiellen Anreizen eine indirekte Motivationswirkung zuschreiben.

Ferner verstärkt materielle Motivation bei generell guter bis sehr guter Motivationssituation die generelle Zufriedenheit und das Bewusstsein der Akzeptanz. Fehlen jedoch entscheidende andere Werte, sinkt auch der materielle Motivationswert parallel. Ein konkretes Beispiel: Attraktive Provisionen und ein hohes Gehalt verlieren an Wirkung, wenn das Arbeitsklima schlecht ist, keine Weiterentwicklungsmöglichkeiten bestehen und die Arbeit keine Herausforderungen bietet.

Materielle Motivation und Qualität der Mitarbeiterleistung

Allerdings gilt auch bei der materiellen Motivation, dass Mitarbeiter individuell, je nach Persönlichkeit und Grundwerten, bei Geld und Lohn ebenso unterschiedlich motivierbar sind. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch: Wer aus innerem Antrieb heraus sich an interessanten Herausforderungen und der Nutzung seiner Talente und Fähigkeiten motiviert, ist wohl der engagiertere, leistungsfähigere und wohl oft auch qualifiziertere Mitarbeiter als jener, der seinen Lohnbeleg und die Provisionsabrechnung als Motivationsgrundlage sieht. Zudem dürften sich primär materiell motivierte Mitarbeiter nicht in dem Masse binden lassen, wie dies bei stärker immateriell motivierten der Fall sein wird.

 


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