Human Resource Management

Storytelling: Die andere Art der Mitarbeiterkommunikation

Die gute alte Erfolgsgeschichte, die begeistert und bewegt, taugt auch als firmeninternes Kommunikationsinstrument, denn sie spricht Gefühle an, setzt Menschen in den Mittelpunkt und fördert die Verständlichkeit. Auch für das HR ist es ein interessantes Instrument.

Storytelling (deutsch: „Geschichten erzählen“)
ist eine Erzählmethode, mit der trockenes Faktenwissen in Form einer Metapher
weitergegeben und durch aktives Zuhören aufgenommen wird. Die Leser oder
Zuhörer werden in die erzählte Geschichte eingebunden, damit sie den Gehalt der
Geschichte leichter verstehen. Dadurch wird der Inhalt der Geschichte nicht nur
gelesen, sondern auch erlebt, womit Wissen eher verstanden und angenommen wird.
Storytelling wird neben der Unterhaltung durch Erzähler u. a. auch in der
Bildung und im Wissensmanagement und als Methode zur Problemlösung eingesetzt.

Wer Erfolgsgeschichten verbreitet, wer mitreissend und spannend erzählt, sichert sich die Aufmerksamkeit von Mitarbeitern. Art Kleiner und George Roth, Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology, haben die Storytelling-Methode entwickelt. Sie propagieren auch narrative Bewerberinterviews, bei denen im Plauderton und Erzählstil wertvolles Wissen und die ganze Wahrheit zum Vorschein kommen sollen oder Fakten auf eine spannende und menschliche Emotionen einbeziehende Art und Weise vermittelt werden können.

Witzige und ungewöhnliche Geschichten sind die besten

Wer Fakteninformationen mit lebendigen, interessanten und anschaulichen Geschichten und Beispielen vermittelt oder diese in solche verpackt, wird besser verstanden, erzielt mehr Aufmerksamkeit und erhöht das Erinnerungsvermögen. Es sind vor allem die witzigen und ungewöhnlichen Geschichten, die Emotionen wachrufen und an die man sich besonders gut erinnert. Am besten lernen Menschen aus der Verallgemeinerung von Beispielen und Geschichten. Diese Art der Kommunikation lockert auch Stimmungen auf, bewirkt Sympathie und positive Gefühle.

Steigerung von Aufmerksamkeit und Konzentration

Eine lebendig geschriebene Geschichte gewinnt die Aufmerksamkeit und Konzentration anderer Menschen leichter als eine nüchterne Ansprache. Die Leser sind damit bestrebt, den Handlungsablauf, den Sinn zu erfassen und die darin enthaltene Kernaussage zu verstehen. Ein Beispiel: Statt ein Work-Life-Balance-Konzept nur theoretisch und akademisch zu erklären und Statistiken und Forschungsresultate zu nennen, zeigt die Geschichte eines Mitarbeiters, wie dieser die Vorteile während einer Arbeitswoche geniesst und welche Angebote des Unternehmens er weshalb nutzt, eindrücklicher und wesentlich anschaulicher, worum es geht.

Der soziale Aspekt spielt neben der Weitergabe von Erfahrung und Wissen eine wichtige Rolle. Mit Geschichten kann man Menschen erreichen. Jedem macht es Spass zuzuhören oder selbst zu erzählen. Erzählen ist etwas sehr Interaktives. Es fasziniert, zu sehen, wie bereitwillig die Zuhörer selbst zu reden anfangen und Dinge durch Geschichten in Gang kommen.

Geschichten machen Trockenes lebendig und fassbar

Ein Ziel kann es sein, Beteiligte auf diese Weise eher zu motivieren, sich mit einem trockenen Konzept zu beschäftigen und ein qualifiziertes Feedback zu geben. Die Methode ist oft erfolgreich, das Geheimnis dahinter eigentlich ganz einfach: Blanke Fakten werden mit der Geschichte lebendig, bekommen ein „human Touch“ und jeder kann die Relevanz für die eigene Arbeit spüren und wesentlich einfacher in den Arbeitsalltag implementieren.

Geschichten haben zudem den Vorteil, dass sie komplexe Sachverhalte prägnanter darstellen als analytische Datensammlungen und trockene Geschäftsberichte mit Zahlen und Fakten. Mit Geschichten lassen sich Fakten und Emotionen verbinden und Werte wie die Unternehmenskultur auf eine spielerische Weise vermitteln.

Die Vorteile des Storytellings

Innerhalb eines Unternehmens ist eine offene Kommunikation im Unternehmensalltag, in Projekten und bei einschneidenden Veränderungen und Ereignissen ein zentraler Erfolgsfaktor. Die Methode des Storytellings eignet sich auch hervorragend, um Personen miteinander ins Gespräch zu bringen. Geschichten schaffen Distanz und bieten ein neutrales Terrain, um Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten zu können. Mitarbeiter können sich verschiedenes aus einer Geschichte herausholen, weil jeder von ihnen gewöhnlich seine eigenen Assoziationen dazu hat.

Dabei fangen Zuhörer oft an zu reflektieren und Hemmschwellen sind schnell überwunden und Mitarbeiter kommen selbst ins Erzählen. Spielerisch können dabei völlig unterschiedliche Lösungsansätze entwickelt werden. Das Erzählen ist nicht nur die älteste Form der Erfahrungs- und Wissensweitergabe, sondern auch eine der effizientesten. Sich diese Erkenntnis in bestimmten Situationen auch in der Kommunikation des Unternehmensalltags zunutze zu machen, kann erstaunliche Resultate und Fortschritte bewirken.

Einsatz des Storytellings im Change-Management

Im Zuge von Fusionen, Change-Prozessen und tief greifenden Restrukturierungs und Reorganisationsmassnahmen nutzen inzwischen auch renommierte Unternehmen das Potenzial von Storytelling. Anstatt auf einer Mitarbeiterversammlung mit sachlichen Argumenten, trockenen Statistiken und endlosen Zahlenreihen den neuen Unternehmenskurs zu erläutern, erzählt der Unternehmensleiter eine eigens geschriebene Geschichte, in dem die Mitarbeiter die Situation des Unternehmens aus ihrem eigenen Erfahrungsalltag heraus durch Menschen, Ereignisse, Geschichten, Episoden und mehr wiederentdecken.

Geschichten geben Identität und Gesprächsstoff

Die zu bestehenden Abenteuer fungieren als Metapher für die eingeschlagene Strategie und das Wettbewerbsumfeld, das Happy End gibt Zuversicht, dass man es schafft. Eine in sich stimmig und stimmungsvoll geschriebene oder erzählte Geschichte über das eigene Unternehmen kann so zur treibenden Kraft auch für Change-Prozesse werden, denn sie vermittelt attraktive Visionen, verhindert vorschnelle Einwände, zeigt neue Möglichkeiten auf, verleitet dazu, neue Wege zu gehen und löst Gefühle aus: Ein in Märchensprache vermitteltes Vorhaben verankert sich. Die gemeinsam erlebten Gefühle stiften Identität und geben Gesprächsstoff.

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