Personalgewinnung

Frisierte Bewerbungen: Wenn das eigene Ich zur Mogelpackung wird

Es passiert häufiger, als man meint, dass Bewerbungen frisiert oder sogar bei relevanten Angaben Belege gefälscht werden. Wo wird wie besonders oft betrogen und wie können HR-Abteilungen frisierte und zu sehr „geschönte“ Bewerbungen entlarven?

Er ist sympathisch, wirkt gewinnend, bringt alle erforderlichen Qualifikationen und Sozialkompetenzen für die freie Stelle mit, der Lebenslauf ist überragend und lückenlos, er hat Ambitionen und klare Karrierevorstellungen und das passende Alter. Also der perfekte Kandidat. Aber zuweilen eben nur auf den ersten Blick. Denn nicht alles muss stimmen, was Jobsuchende in ihren Bewerbungen angeben. So gibt es sehr oft kleine Korrekturen, manchmal aber auch richtige Mogeleien mit negativen Folgen, sowohl für das Unternehmen als auch den Kandidaten, wenn alles herauskommt.

Frisieren von Bewerbungen wird immer einfacher

Es gibt sie, die hemmungslosen Blender, die mit allen möglichen Tricks und Kniffs ihre Bewerbung manipulieren und frisieren. Diese zu entlarven und sich der Betrugsmöglichkeiten bewusst zu sein, ist von grösster Bedeutung, denn wer bei Bewerbungen trickst, tut dies mit hoher Wahrscheinlichkeit später auch bei der Arbeit. Das Problem: Die passenden Dokumente und Belege zu seinen Referenzen kann man sich immer einfacher und müheloser – und immer perfekter selbst basteln. Mit einem Qualitätsdrucker läuft inzwischen das Diplomzeugnis von vielen Weiterbildungsinstituten und Universitäten sauber aus dem heimischen Drucker; ein eingescanntes Arbeitszeugnis bescheinigt mit ein paar eindrücklich formulierten Sätzen aus Musterzeugnisvorlagen schnell die Topqualifikation für den Traumjob.

Oft manipuliert: Studium oder Weiterbildungen

Besonders oft täuschen Stellensuchende mit einem angeblichen Studium oder mit Kompetenzen in einem bestimmten Fachbereich Fähigkeiten, Seminare und Trainings vor, die nicht den Tatsachen entsprechen und die sie gar nie besucht bzw. absolviert haben. Sie geben zum Beispiel fremde wissenschaftliche Arbeiten als ihre eigenen aus oder verwenden Arbeitsproben von Kollegen. Arbeitszeugnisse werden zuweilen sogar völlig gefälscht inklusive Firmenbriefbogen und Logo des Unternehmens. Oft wird auch zu Ausreden gegriffen, um Lücken im Lebenslauf zu beschönigen oder mit Angaben zu begründen, die völlig frei erfunden sind oder um Leistungsschwächen zu kaschieren.

Nicht selten reichen Bewerber Zertifikate oder Weiterbildungsbelege ein, die bedeutungslos sind oder solche, die nie wirklich absolviert wurden. Häufig stammen diese Dokumente aus dem Ausland und sind in einer Fremdsprache verfasst; zum Beispiel Bescheinigungen über Präsentationen, die als Weiterbildung verkauft werden. Dass gewisse Lebenslauflücken mit ein wenig Fantasie gefüllt werden, mag ja im einen oder anderen Fall noch knapp tolerierbar sein, in Erklärungsnot geraten allerdings Bewerber, die in einem früheren Job eine fristlose Kündigung erhalten haben.

Möglichkeiten zur Überprüfung

Hier wird gerne für die Zeit danach eine Selbständigkeit oder ein Kurzauslandsaufenthalt erfunden oder der Bewerber behauptet, anschliessend bei einem Familienangehörigen gearbeitet zu haben. Mit welchen seriösen Mitteln und auf welche Weise können Aussagen, Belege und Informationen überprüft werden, ohne aus einer HR-Abteilung gleich eine Detektei machen zu müssen? Es sind in der Regel die folgenden:

  • Lückenlose Nachweise über den Werdegang einfordern
  • Fremdsprachenkenntnisse im Interview überprüfen
  • Zu Kernaufgaben Arbeitsproben anfordern
  • Wichtige Fachkompetenzen mit Kurzpräsentation analysieren
  • Diplome/Weiterbildungsbelege bei Verbänden oder Institutssekretariaten überprüfen
  • Angaben im Lebenslauf mit den Angaben in den Zeugnissen vergleichen
  • Zeugnisoriginale vorlegen und Fotokopien beglaubigen lassen
  • Bewerber im Vorstellungsgespräch zu kritischen Zeugnispassagen befragen
  • Zeugnisse nach dem Vorstellungstermin in Kenntnis des Bewerbers noch einmal lesen
  • Referenzen bei früheren Arbeitgebern und Vorgesetzten einholen
  • Bedeutung von Instituten bzw. Ausbildungen im Internet recherchieren
  • Sich anspruchsvolle Fachfragen geben lassen zur Prüfung der Fachkompetenz

Sich in Bewerbungen möglichst positiv darzustellen, ist verständlich und das versucht jeder. Es gibt allerdings eine Grenze und diese ist erreicht, wenn aus der Schönfärberei Falschaussagen und Urkundenfälschung werden, die für ein Unternehmen gefährlich werden können. Fälschungen von Titeln, Abschlüssen und Zeugnissen können zu fristlosen Kündigungen führen.

Rückfrage und Überprüfungen

Die Rückfrage im Umfeld vorheriger Stellen mit Referenzen und sonstigen (Verweildauer im Betrieb, effektive Aufgaben und Verantwortlichkeiten, Kündigungsgrund usw.) ist in der Regel der sicherste Weg, um an gesicherte Informationen zu kommen und Informationen mit Fakten zu überprüfen, um Betrüger zu enttarnen oder Verdachtsmomente zu beseitigen. Aber auch Echtheitsprüfungen wichtiger Urkunden und Dokumente und clevere Fragetechniken bei Interviews, welche Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt mit Kontrollfragen überprüfen, sind geeignete Mittel, um Bewerbern mit Manipulationen und Betrugsversuchen auf die Schliche zu kommen.

Häufige Täuschungsversuche beim Lebenslauf

Als konkretes Beispiel hat eine Studie von Carrierwatch.com bei Lebensläufen die folgenden häufigsten Täuschungsversuche eruiert:

  • Übertreibung bei den Aufgaben des letzten Jobs (38%)
  • Übertreibung bei den Fähigkeiten/Kompetenzen (18%)
  • Falsche Angaben zur Dauer der Betriebszugehörigkeit (12%)
  • Erlogener, vorgetäuschter akademischer Grad (10%)
  • Nennung einer Firma, für die man nie gearbeitet hat (7%)
  • Falscher Jobtitel bzw. Position oder Bezeichnung (5%)

Statistisch geht man davon aus, dass ca. 10% aller Lebensläufe zumindest aufgemotzt und geschönt werden. Als Recruiter sollte man also mit einer gewissen Skepsis an Lebensläufe herangehen, obwohl natürlich die beliebtesten Lügen im Lebenslauf jeweils nur sehr schwer ausfindig gemacht werden können.

Mit Background-Checks, bei denen Bewerber oft von Spezialisten , auch im privaten Bereich, vollumfänglich durchleuchtet und überprüft werden, fährt man schweres Geschütz auf, was nur bei sehr exponierten Schlüsselpositionen und heiklen Aufgaben, beispielsweise im Daten- und Finanzbereich, angewandt werden sollte. Und: Hinter jedem Bewerber einen potenziellen Betrüger zu sehen, ist falsch und zerstört Vertrauensgrundlagen. Die Mehrheit der Kandidaten ist ehrlich und reicht korrekte Bewerbungsunterlagen ein.


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