Personalgewinnung

Mit mehr Kreativität zu erfolgreicheren Stellenanzeigen

Nichts ist leider so uniform, austauschbar und ideenarm wie Stellenanzeigen, und zwar in Kommunikation, Inhalt, Kreativität, Informationsgehalt und Gestaltung. Die nachfolgenden Ideen und Möglichkeiten sollen Ihnen einige konkrete Anregungen geben.

Eigentlich unverständlich, geht es doch bei Stellenanzeigen um sehr bedeutsame Ziele: Die besten und geeignetsten Mitarbeiter für sich zu gewinnen. Und um dies zu erreichen, sind interessante, stellenspezifische, anforderungsgerechte und präzise verfasste Stellenanzeigen eine Grundvoraussetzung. Wer diese erste Hürde nicht schafft, verliert viele qualifizierte Bewerber – denn gerade sie mit Ansprüchen an gehaltvolle Informationen und spannende Aufgaben langweilen uniforme Stellenanzeigen besonders schnell – und besonders schnell wenden sie sich ab und lesen die Anzeige eines anderen Arbeitgebers, die zu überzeugen weiss.

Grundsätzlich geht es um Möglichkeiten, die in einer Anzeige auf textlicher Basis realisiert werden können oder solche, die auf die Website verweisen und dort interaktive Tools und mehr Medienformen wie Videos, Postcasts, Netzwerk-Verknüpfungen und mehr erlauben. Stets zu bedenken ist aber, dass nicht technische Spielereien sondern kreative und gehaltvolle Informationen zu Stelle und Unternehmen und die intensive Auseinandersetzung mit dem Stellenangebot durch den Interessenten im Mittelpunkt stehen sollten.

Kommunikation mit der Stelleninhaberin

Ein Foto der Stelleninhaberin, die den oder die Nachfolgerin sucht, zeigen und diese auch die Anforderungen und Informationen aus deren Perspektive vermitteln und informieren lassen, welches die Haupttätigkeiten und –aufgaben sind. Auch eine Telefonnummer mit dem Hinweis: „Frau Sarah Müller verrät Ihnen aus ihrer Sicht mehr über diese Stelle und schildert Ihnen beipielsweise auch, woran Sie zur Zeit gerade arbeitet“. Dies wirkt mit Sicherheit nicht nur sehr authentisch und sympathisch sondern spricht ebenso Emotionen an.

Auch Stelleanzeigen vertragen Humor

Zeigen Sie am einen oder anderen Ort ein wenig Humor. Dies kann bei den Anforderungen, beispielsweise bei einer ungewöhnlichen Tätigkeit gemacht werden. Ein Beispiel: „Sie könnten jetzt Bedenken haben, dass wir einen neuen Bill Gates, ein Genie oder einen Nobelpreisträger suchen. Dem ist aber nicht so, nur schon zwei bis drei der obigen Hauptanforderungen können ausreichen, sich nun bei uns zu bewerben“.

Online-Eignungstest

Bieten Sie Bewerbern die Möglichkeit, interaktiv und spielerisch auf der Website zu prüfen, ob sie zum Unternehmen und Team passen, wobei eine sinnvolle Vorselektion ein wichtiger Nebeneffekt sein kann. Dafür gibt es einige interessante Tools, man zuweilen spricht auch von Recrutainment, also sich spielerische und unterhaltsam bewerben zu können.

Bewerben Sie sich als Arbeitgeber

Seien es doch einmal Sie als Arbeitgeber, der sich um einen neuen Mitarbeiter bewirbt. Dies kann schon mit der Schlagzeile „Wir bewerben uns für… beginnen und bis zur Kontaktaufnahme beibehalten werden. Ein solcher Auftritt lässt sich auch auf einem Video hervorragend realisieren oder verstärken.

Neue Informationsideen

Weisen Sie, wenn es Ihre Stärke ist, auch einmal auf andere Leistungen oder HR-Services hin, und zwar mit Fakten und Beispielen, wie beispielsweise eine gründliche Einführung und Einarbeitung, interessante Work-Life-Balance-Leistungen, ein Weiterbildungsprogramm, ein kommendes grosses Firmenjubiläum oder ähnliches. Richten Sie solche Informationen auf die Zielgruppen aus, also bei jüngeren Frauen allenfalls Work-Life-Balance-Leistungen wie Kinderhütedienste.

Employer Branding

Profilieren Sie sich mit einer unverwechselbaren Arbeitgebermarke. Schildern Sie Ihre Stärken, Ihre Angebote und Qualitäten als Arbeitgeber, die sie besonders interessant und attraktiv machen und mit denen Sie sich von der Arbeitgeber-Konkurrenz abheben. Dies können beispielsweise sehr gute Karrieremöglichkeiten, Weiterbildungsangebote, Auslands-Niederlassungen oder Work-Life-Balance-Leistungen sein.

Mit Überraschung punkten

Headline: „Wir schicken Sie zuerst einmal in die Ferien!”. Und dann die ersten beiden Sätze: Unkonventionelle Ideen sind genau das, was wir lieben – aber auch selber bieten wollen. Deshalb schicken wir Ihren klugen Kopf erst mal auf unsere Kosten für eine Woche in ein Viersternehotel auf Sardinien“. Was auf den ersten Blick verrückt klingen mag, könnte sich als Erfolg mit grosser Resonanz ausstellen.

Aufgabe überspitzt visualisieren

Zeigen Sie durch ein Foto die Ausübung einer in der Stellenanzeige genannten Aufgabe überspitzt, humorvoll oder extrem als Blickfang oder eine Anforderung durch ein Bildsymbol. Beispiel: Eine Hand, die auf einen Golfball zeigt, die ihn ins loch treffen bugsieren will mit dem Slogan: „Passen Sie ins unser Team und wir zu Ihnen“? Marketingfachleute oder Werber in Ihrem Unternehmen könnten durchaus unkonventionelle Ideen beisteuern.

Produkte-Visual verwenden

Man kann auch die gesamte Anzeige als Produkt gestalten bzw. zeigen, welche das Unternehmen herstellt und vertreibt. Je nach dessen Image oder emotionaler Bedeutung, ist dies natürlich höchst wirksam. Bei einem Getränkehersteller kann dies eine Flasche mit dem Anzeigentext auf der Etikette sein oder bei einem Verlag ein aufgeschlagenes Buch.

Die Kunden suchen Mitarbeiter

Bei einem sehr kundenfreundlichen Unternehmen kann eine Anzeige aus Sicht der Kunden formuliert werden, was zugleich auch einen wichtigen Aspekt der Unternehmenskultur kommuniziert. Beispiel: „Wir leben von unseren Kunden und arbeiten für deren Bedürfnisse. deshalb sind es auch unsere Kunden, die wir sprechen lassen, was sie sich vom von uns gesuchten Mitarbeiter wünschen…“

Image fördernde Drittinformationen

Gerade bei Online-Anzeigen sind interessante Mehrinformationen nur ein Mausklick weit entfernt und können die Reputation eines Arbeitgebers gehaltvoll und facettenreich abrunden oder ergänzen. Testsieger-Ränge bei Produktetests, Presseartikel über aktuelle Spitzenleistungen oder überdurchschnittlich gute Bewertungen auf Arbeitgeber-Bewertungsplattformen sind einige Beispiele der Möglichkeiten.

Genau über das Unternehmen informieren

Bewerber können nie genug wissen über ein Unternehmen und die ausgeschriebene Stelle. Also gehen Sie doch auch hier neue Wege. Dies kann eine Betriebsbesichtigung, ein Tag der offenen Türe, eine Vorstellung auch dem Team gegenüber oder die Telefonnummer eines Teamkollegen für spezifische Mehrinformationen sein. Dies wirkt sehr authentisch und vertrauenerweckend.

Vorsicht mit zu viel Kreativität

Man sollte Kreativität und Ideen jedoch massvoll und vorsichtig einsetzen. Schnell kann Kreativität gekünstelt, billig, abgehoben oder überdreht wirken und die Ernsthaftigkeit oder Seriosität eines Unternehmens in Frage stellen. Die Frage, welche Form von Kreativität in welcher Ausprägung die richtige ist, hängt auch stark von Stelle, Unternehmen, Branche und angesprochenen Zielgruppen ab.

Ungewöhnliche Stellenbezeichnungen

Im Kampf um die besten Talente lassen sich potenzielle Arbeitgeber zunehmend ungewöhnliche Stellenbezeichnungen einfallen. Eine nähere Betrachtung besonders kurioser Begriffe legt die Vermutung nahe, dass Firmen mit innovativ anmutenden Jobtiteln in erster Linie das Ziel verfolgen, gängige Positionen spannender klingen zu lassen. Wie Joblift herausfand, werden die meisten Jobtitel-Floskeln als Umschreibung für gängige Berufe wie Softwareentwickler oder Mitarbeiter in Verkauf verwendet, wohl, um diese attraktiver erscheinen zu lassen. Diese Infografik von der Metajobsuchmaschine Joblift zeigt Ideen und Begriffe, die für welche Jobs verwendet werden und wie sich Arbeitgeber mit Kreativität förmlich übertreffen.

 


Stellenanzeigen wirksam und erfolgreich formulieren

Kurt Simmen – Mit CD-ROM – Umfang: 245 Seiten – ISBN: 978-3-9523894-9-2  PRAXIUM Verlag

Dieses Buch gibt zahlreiche Anregungen und Hilfestellungen für erfolgreiche Stellenanzeigen. Im Mittelpunkt stehen Formulierungsbausteine, denn der Erfolg einer Stellenanzeige hängt von Text und Sprache ab – das Wort steht nach wie vor im Mittelpunkt. Ebenso behandelt werden Struktur und Aufbau, Mediaplanung und Medienwahl, Informationsgehalt, Platzierung von Stellenanzeigen im Internet und Anforderungen an die eigene Karriere-Website – um nur einige Beispiele zu nennen.

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