Mitarbeiterführung

Wenn der Chef zum Trainer wird: Das Inhouse-Trainer-Modell

Seminare sind teuer und zeitaufwendig und Dozenten mit der Unternehmenspraxis oft zu wenig vertraut. Inhouse-Trainer-Modelle überzeugen mit interessanten Vorteilen, welche weit über Kostenaspekte und Zeiteinsparungen hinausgehen.

Damit Lernen im Unternehmen nachhaltig greift, ist es wichtig, Führungskräfte stärker in die Lernprozesse einzubinden und eine bewusste Lernkultur zu fördern – sei es zur direkten Unterstützung und einem Coaching der Lernprozesse Mitarbeitender oder als Vorbilder bezüglich lernbezogener Werte und Verhaltensweisen.

Hohe Flexiblität und besserer Transfer

Es gibt Unternehmen, die erfahrene Mitarbeiter, welche die persönlichen und fachlichen Voraussetzungen mit sich bringen, zu Trainern ausbilden lassen. Der Vorteil dieses auf den ersten Blick ungewöhnlichen Vorgehens: Mitarbeiter können arbeitsplatz- und zeitnah geschult werden. Fehlt Wissen oder besteht Unsicherheit in der Ausführung einer Tätigkeit, ist ein sofortiges „Training on the Job“ mit fundiertem Betriebs- und Praxis-Know-how möglich. Auf diesem Weg können auch grössere Mitarbeitergruppen wie Teams oder Abteilungen in kurzer Zeit weiter qualifiziert und Defizite nicht nur sehr gezielt sondern auch schnell beseitigt werden. Die internen „Trainer“ stehen den Mitarbeitern, im Gegensatz zu externen, auch beim Umsetzen des Gelernten zur Verfügung.

Förderung des selbstorganisierten Lernens

Haben die Mitarbeiter oder Führungskräfte, die zu Trainern ausgebildet wurden, einmal Erfahrung damit gesammelt, Wissen anderen Mitarbeitern zu vermitteln, dann können die Unternehmen auf diese Kompetenz bei Bedarf regelmässig zurückgreifen – auch bei der Planung, Konzipierung und Entscheidung von PE-Aktivitäten. Besonders vielversprechend ist dabei, dass sich mit einem solchen Qualifizierungskonzept ein Unternehmen sehr schnell in Richtung einer lernenden Organisation entwickelt und das selbstorganisierte Lernen sozusagen aus der Praxis heraus schrittweise Fuss fasst.

Steigerung von Lernmotivation und Akzeptanz

Auch die Lernmotivation wird beträchtlich gesteigert, denn von vertrauten Personen unterrichtet zu werden, welche die Betriebspraxis, die Stärken und die effektiven Anforderungen kennen und meistens auch den Respekt der Lernenden geniessen, haben  einen sehr positiven und nachhaltigen Einfluss. Der Einsatz in Social Media Bereichen macht den Einsatz interner Trainer sogar noch einfacher oder erweitert dort mit Transferaufgaben oder Brushup-Einsätzen das mögliche Tätigkeitsfeld.

Inhouse-Training verbessert Nachwuchsförderung

Mit eigenen Inhouse-Trainern kommen aber noch weitere Vorteile hinzu: Zeitaufwändige Suche nach dem anforderungsgerechten Weiterbildungsangebot entfällt ebenso wie die Unsicherheit und Schwierigkeit, Seminarleiter auf unternehmensspezifische Ziele und Gegebenheiten auszurichten und sie aufwendig dafür zu briefen. Wesentlich und ein weiterer interessanter Aspekt ist zudem auch, dass auf diesem Weg der Schulterschluss mit Nachwuchsförderung, Talent-Früherkennung und sogar Laufbahnplanung auf kontinuierliche Weise verbessert werden kann, vor allem dann, wenn das Human Resource Management konsequent eingebunden wird

Learning by Teaching als Rekrutierungspool

Es spricht nichts dagegen, auch Mitarbeiter ohne Führungsposition, welche über spezifisches Know-how und didaktisches Talent verfügen und allgemeine Akzeptanz haben, ebenfalls als Trainer und Lehrende einzubeziehen. Dies kann auch als Lernmethode an sich, einem Learning by Teaching, eingesetzt werden. Die Mitarbeiter unterrichten den von ihnen erarbeiteten Stoff, werden dadurch selbst aktiv, gewinnen ein erhöhtes Mass an Autonomie und fördern die Lernkultur als ganzes. Aus solchen Aktivitäten heraus können beispielsweise Mitarbeiter als Inhouse-Trainer erkannt, rekrutiert und gefördert werden, wodurch auch hier ein Dopplenutzen entsteht.

Die Anforderungen an Inhouse-Trainer

Wichtig ist in diesem Zusammenhang sicher auch die Trainerausbildung, das Trainer- Handwerkzeug und die Fähigkeit, sich in unternehmerische Prioritäten und Zusammenhänge hineinzudenken. Im Zentrum steht hier auch die Didaktik und Methodik, der gekonnte Medieneinsatz, Grundkenntnisse des E-Lernaings und des Social Media und die Kenntnis über lernpsychologische Aspekte. Eigenverantwortliches Arbeiten, ein ausgeprägtes Budgetbewusstsein, motivierende Ausstrahlung – dies und mehr sind wichtige Qualitäten, die den inhouse tätigen Weiterbildner auszeichnen, die sich bietenden Vorteile nutzen und dem Unternehmen dann einem solche Fall vielseitigen und relevanten Mehrwert bescheren.

Gute Schulung und Vorbereitung sind wichtig

Es ist daher zu beachten, dass zu internen Trainerausbildungen recht spezifische Voraussetzungen benötigt werden und bei weitem nicht alle Führungskräfte dafür geeignet sind. Allerdings ist eine professionelle Trainerausbildung nicht das Ziel, es geht darum, kompakte Basiskenntnisse und die wichtigsten Grundregeln zur Didaktik zu vermitteln. Zu einer soliden Grundausbildung sind professionelle Train-the-Trainer-Module von Professionals für die Didaktik, Lernarchitekturen und -konzepte vermutlich aber je nach Einsatzgebieten, Lehrinhalten und Lernzielen und Lernzielgruppen eine lohnenswerte und zuweilen gar notwendige Investition.

Nachteile Doppelbelastung und Betriebsblindheit

Es entstehen allerdings auch höhere Belastungen durch Doppelfunktionen betroffener Trainer und eine gewisse Betriebsblindheit kann je nach Lernstoff und Lernzielgruppe ebenso ein Minuspunkt sein, der zu bedenken ist. Zudem sind Aktivitäten, welche externe professionelle Trainer bewältigen und solche mit Inhouse-Trainern klar zu definieren und zu planen – und jeweils auch aufeinander abzustimmen.

Fazit: Ein Erfolgsmodell mit grossen Chancen und Vorteilen

Der Einsatz von Inhouse-Trainern ist insgesamt aber ein klar empfehlenswertes Modell mit interessanten und überzeugenden Vorteilen und auch die Möglichkeit bietet, dieses Modell zu testen und es punktuell oder in bestimmten Unternehmensbereichen einzusetzen. Dort, wo es praktiziert wird, ist das System in den meisten Fällen sehr erfolgreich und stösst auch auf eine hohe Akzeptanz.

 


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