Human Resource Management Mitarbeiterbindung

Ist Mitarbeiterbindung überhaupt noch zeitgemäss?

Ist Mitarbeiterbindung noch zeitgemäss und lässt sie sich noch praktizieren? Man darf nicht ausser Acht lassen, dass die Mitarbeiterbindung durch einige Faktoren und gesellschaftliche Trends und Veränderungen in der Arbeitswelt generell zusätzlich erschwert wird

Die Bindung von Mitarbeitern an ihren Arbeitgeber ist oft und weitgehend vor allem eine psychologische Grösse; Organisationspsychologen nennen diesen Zusammenhang „Commitment“. Oft über viele Jahre hinweg erworbenes Wissen und Spezial-Know-how in Schlüssel- und Expertenpositionen, fundierte praktische Erfahrungen mit Aufgaben, Abläufen und Eigenheiten des Unternehmens, das Beziehungsnetz gegen innen und aussen und kostenintensive Weiterbildungen und Fördermassnahmen sind nur einige Gründe für den hohen Stellenwert der Mitarbeiterbindung.

Stellenwert der Mitarbeiterbindung

Hinzu kommt die Tatsache, dass die Suche nach neuen Spitzenkräften für Unternehmen hohe Kosten verursacht und verlorenes Know-How dem Wettbewerber zugute kommen kann. Man darf nicht ausser Acht lassen, dass die Mitarbeiterbindung durch einige Faktoren und gesellschaftliche Trends und Veränderungen in der Arbeitswelt generell zusätzlich erschwert wird

  • Verlust der Erkennbarkeit des Bezugspunktes durch permanente Veränderungen wie Reorganisation, Fusion, Verkäufe
  • Rückgang herkömmlicher, unbefristeter Vollzeit-Beschäftigungen
  • Permanent neue Perspektiven durch kontinuierliche Weiterbildungsaktivitäten
  • Zunehmende Employer Branding-Bemühungen von Unternehmen mit attraktiven Stellenangeboten
  • Steigende Auswahlmöglichkeiten neuer Arbeitgeber für Wechselwillige durch Internet-Jobbörsen und Headhunter
  • Konkurrenzintensität am Arbeitsmarkt, je nach Positionen, Regionen und Branchen

Diese Trends werden verstärkt durch eine generelle gesellschaftliche Abnahme der Bindungsbereitschaft, welche von abnehmender Loyalität gegenüber Marken über nachlassende Bindung zu politischen Parteien bis zum Verhalten in Beziehungen ein breites Spektrum umfasst. Man spricht mancherorts sogar ebenso von einer neuen „Unverbindlichkeitskultur“ wie man auch beobachten kann, dass das Loyalitätsverständnis sich wandelt und nicht mehr primär nur über die Dauer der Betriebszugehörigkeit definiert wird.

Zudem werden verschiedene Jobs und Tätigkeiten mit breit gefächerten Erfahrungen je länger je mehr auch von HR-Abteilungen in den Unternehmen als eher positiv gewertet und eine übermässig lange Verweildauer in der gleichen Stelle im gleichen Unternehmen zuweilen als „Sesselkleberei“ betrachtet.

Diesem Trend entgegenwirken kann man jedoch durch neue Perspektiven und Tätigkeiten, Job Rotation und attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten, welche zeigen, dass sich ein Mitarbeiter weiter entwickelt, sich neuen Herausforderungen stellt und beweglich und ambitiös ist. Unternehmen, die nachhaltige und wertestiftende Massnahmen gezielt und individuell anbieten, können dem Trend der „Unverbindlichkeitskultur“ Gegensteuer geben.

Mitarbeiter mit erhöhter Bindungsbereitschaft

Es gibt jedoch auch gegenläufige Trends, bzw. nach wie vor Mitarbeiter, die aufgrund ihrer Loyalität, ihres Charakters, ihrer Arbeitsmoral und Lebenswerte eine starke Verbundenheit zu ihrem Arbeitgeber verspüren. Die Ursachen dafür sind vielfältig:

  • Kein Interesse oder keine Bereitschaft an einem Wohnortwechsel, z.B. wegen Ortsverbundenheit wie Vereinsaktivitäten
  • Familiäre Gründe, wie Vermeidung von Schulortswechsel bei Kindern oder Arbeitsplatz des Lebenspartners
  • Generelle Ängste und Bedenken vor Veränderung oder ungewissen Risiken und Nachteile durch Jobwechsel
  • Beibehaltung des einmal eingeschlagene Weges durch Bedürfnis nach Konsistenz
  • Vermeidung des Verlustes bisheriger Investitionen (Einsatz und Laufbahnziele für das Unternehmen) beim Weggang
  • Gefahr von Einbussen bei Renten, fehlende Sabbatical-Möglich­keiten, wegfallende Prämien bei langjähriger Mitarbeit
  • Arbeitsplatz- und unternehmensspezifisches Know-how und Erfahrungen werden als hoch und wertvoll eingestuft
  • Starke Verbundenheit mit Arbeitskollegen und dem Team auch wegen eines besonders guten Arbeitsklimas

Auch hier sollte schon bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter auf diese Faktoren geachtet werden, welche die Mitarbeiterbindung positiv beeinflussen und damit auch den Aufwand von Mitarbeiterbindungsmassnahmen reduzieren, wenn solche Mitarbeiterpersönlichkeiten für das das Unternehmen gewonnen werden.


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