Mitarbeiterbindung Mitarbeiterführung

Mitarbeiter beurteilen – und dabei auch motivieren – ein Fallbeispiel

Begegnen wir Menschen, so ist eine der ersten Reaktionen oft, uns über sie ein Urteil zu bilden und Hinweise auf Sympathie, Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit zu bekommen. Im Berufsleben laufen solche Beurteilungsreflexe noch viel häufiger ab.

Zentrale Faktoren wie Beförderungen, Entwicklungs­möglich­keiten, Anerkennung und
dergleichen sind oft die Folge von Beurteilungen. Werden also dermassen entscheidende Faktoren wie Sympathie, Vertrauenswürdigkeit, Entwicklungsmöglichkeiten und Anerkennung aufgrund von Beurteilungen gefällt, müssen diese entsprechend, fair, objektiv und ganzheitlich ausfallen.

Das Bewusstsein dieser Tatsache ist wichtig und beeinflusst, über das Instrumentelle hinaus, die Beurteilungsqualität. Zielvereinbarungen gewinnen als partnerschaftlicher Führungsstil und als zukunftsgerichtetes, konstruktives Beurteilungsinstrument zu recht immer mehr an Bedeutung und Akzeptanz. Das folgende Beispiel soll dies praxisnah veranschaulichen.

Fallbeispiel

Ausgangslage
Die Luncana AG ist ein kleiner Produktionsbetrieb mit 70 Mitarbeitern. Mitarbeiterbeurteilungen macht man jedes Jahr sehr systematisch und gewissenhaft. Wenn man aber erkennt, dass jeweils viel erreicht wird, aber trotz allem Unsicherheiten, Benotungsängste und dergleichen die Stimmung trüben, entschliesst man sich, Mitarbeiterbeurteilungen konsequent auch als sehr konstruktives, das Selbstvertrauen fördernde Instrument zur Motivationsstärkung einzusetzen.

Analyse der Situation
Die Analyse der Beurteilungsbögen und Bewertungssysteme, eine Projektgruppe von fünf Personen mit Fachleuten aus der HR-Abteilung und ein externer Consulter und zahlreiche Mitarbeitergespräche zeigen vor allem folgendes:

· Trotz Bemühungen sieht man Beurteilungen als Noten-Vergabe
· Vor Beurteilungen hat man oft Angst und ist sehr unsicher
· Es werden zu wenig konkrete Perspektiven aufgezeigt
· Es mangelt an Dialog und Gleichstellung der Kritikäusserung
· Das Bedürfnis, Vorgesetzte beurteilen zu können, ist gross

Zielsetzung und Massnahmen
Man formuliert das Ziel, Mitarbeiterbeurteilungen inskünftig viel stärker auch als Motivationsinstrument zu nutzen und zwar ganzheitlich und stark auf die Mitarbeiterbedürfnisse eingehend. Ein erstes Massnahmenpaket umfasst:

· Einführung einer sich auf Sozialkompetenzen konzentrierenden Vorgesetztenbeurteilung
· Jeder Vorgesetzte muss vier Leistungs-Highlights mit zu nutzenden Talenten nennen
· Daraus wird eine Weiterbildung ausgewählt, die eine besondere Stärke fördert
· Laufbahnberatung wird fester Bestandteil der MA-Beurteilung
· Beurteilt wird nicht mehr skaliert, sondern nur noch verbal
· Lohngespräche werden von MA-Beurteilungen abgekoppelt
· Zielvereinbarungen werden professionalisiert

Zielvereinbarungen als Motivationsinstrument
Man will Zielvereinbarungen als Führungs- und Motivationsinstrument stärken und ausbauen. Für Mitarbeiter sind Zielvereinbarungen sinnvoll und hilfreich, da sie Standortbestimmungen und Ansporn für bessere Leistungen geben und so auch stark motivationsfördernd eingesetzt und genutzt werden können.

Bei leistungsschwächeren Mitarbeitern sind sie eine Messlatte, die zeigt, ob Verbesserungspotenzial besteht oder eine permanente Nichterreichung eine Trennung unumgänglich macht. Erfahrungen haben gezeigt: Nur wenn Zielvorgaben eindeutig und klar definiert und mit einem zeitlichen Rahmen vorgegeben werden, ist eine objektive Erfolgskontrolle der Leistung möglich. Zielvereinbarungen sollen bei der Luncana AG daher primär folgende Voraussetzungen erfüllen:

· Eindeutige und motivierende Zieldefinition
· Herausfordernde, aber erreichbare und realistische Ziele
· Würdigung von Zielerreichungen während des Jahres
· Messfaktoren für die Zielerreichung
· Beeinflussbarkeit durch den jeweiligen Mitarbeiter
· Zielakzeptanz und Zielerreichbarkeit der Mitarbeiter
· Vetorecht von Mitarbeitern bei problematischen Zielerwartungen

Resultate
Der Erfolg stellt sich unmittelbar nach der ersten Beurteilungsrunde ein. Mitarbeiter bereiten sich aktiv vor, Vorgesetzte werden sehr fair beurteilt, man konzentriert sich auf die Zukunft und schaut vorwärts. Grossen Einfluss hat auch der Einbezug der Mitarbeiter bei der Neuausrichtung der Mitarbeiterbeurteilung, die zu hoher Glaubwürdigkeit und Akzeptanz führt.


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