Personalgewinnung

10 gute Gründe für den Einsatz von Fallbeispielen in Interviews

Fallbeispiele können mit grossen Vorteilen auch in Interviews zum Einsatz kommen. Eine Case Study ist handlungs- und entscheidungsorientiert und vermittelt deshalb dem Interviewer authentische und wesentliche Informationen über Kandidaten.


Neben Stressresistenz, Konzentrationsfähigkeit und fachlichen Qualifikationen sind Case Studies auch aufschlussreich, um zu sehen, wie Kandidaten sich in komplexe Bereiche einzuarbeiten verstehen und wie strukturiert dabei ihre Vorgehensweise ist.

Fallstudien gibt es in den unterschiedlichsten Formen, Detaillierungsgraden, Themenbereichen und Schwierigkeitsstufen. In einem einfachen und kurzen Fall kann eine Frage wie folgt lauten: „Was würden Sie dem Kunden beim Problem XY empfehlen? Und warum?“

Aufschluss über wichtige Kompetenzen und Fähigkeiten

Ebenso kann aber bei einer Führungskraft in verantwortungsvoller und anspruchsvoller Position Thema und Erwartung auch sein, dass der Betreffende eine Viertelstunde lang ein komplexes Strategieproblem mit Alternativen schildern muss, bei dem ihm Statistiken, Grafiken und Fakten vorgelegt werden, die er in seine Lösungsvorschläge integrieren soll. Case-Fragestellungen haben zahlreiche Vorteile: Sie geben Aufschluss über wichtige Kompetenzen und Fähigkeiten von Kandidaten:

  • Ausdrucksvermögen und Informationsstruktur
  • Prägnanz und Konkretisierungsgrad von Informationen
  • Aktualität und anforderungsgerechte Fachkompetenz
  • Methodik und Systematik von Vorgehensweisen
  • Innovations- und Problemlösungsfähigkeiten
  • Reaktion und Verhalten unter Zeit- und Bewertungsdruck
  • Analytische und intellektuelle Fähigkeiten eines Bewerbers
  • Pragmatismus und Handlungsorientierung
  • Kompatibilität mit der Unternehmens- oder Führungskultur

Es gibt also zahlreiche und sehr überzeugende Vorteile von Case Studies. Interessant sind immer auch das emotionale Verhalten, die Gewichtungen und die sich zeigenden Fach- und Sozialkompetenzen.

Breite Palette möglicher Kompetenzprüfungen

Fallstudien konfrontieren Kandidaten also mit einem überschaubaren, aber dennoch komplexen Sachverhalt, der in Kürze erfasst werden muss und ebenso schnell eine adäquate Reaktion erwartet. Je nach Aufgabentyp können professionelle Interviewer während der Lösung der Fallstudie unterschiedliche Fähigkeiten bei einem Bewerber testen. Es geht um analytische und organisatorische Kompetenzen, aber auch darum, wie gewandt der Kandidat an ein komplexes Problem herangeht, wo er die Schwerpunkte setzt, wie er seine Vorschläge zu begründen versteht und wie er sich eine individuelle Lösung erarbeitet.

Wahl der Fallbeispiele ist besonders wichtig

Fallbeispiele sollten bestimmte Ziele verfolgen, welche Informationen man haben möchte und um welche Kompetenzen es geht. Die zentralen Fragen lauten stets: Welche Informationen erwarte ich, was will ich prüfen und worauf lege ich die Prioritäten? Deshalb sollten Case Studies so gestaltet sein, dass für die Stelle relevante Situationen zur Sprache kommen, die zentralen Fach- und Sozialkompetenzen geprüft werden und Fallbeispiele zu schildern sind, die für Stelle und Unternehmen typische und wichtige Elemente enthalten. Dies können auch aktuelle Probleme, Herausforderungen, Projekte oder Situationen sein, die in leicht modifizierter Form an Kandidaten herangetragen werden.

Gezielte Vertiefungsfragen zu Fallbeispielen

Mit Case Studies bietet sich die einmalige und unbedingt zu nutzende Chance, sehr individuell auf Anforderungen, Unternehmen und Kernkompetenzen ausgerichtete wichtige Informationen zu einem Kandidaten zu erhalten – und dies in konkreter, authentischer und praxisnaher Art und Weise. Im Allgemeinen sollte man Kandidaten dabei nicht zu oft unterbrechen, aber bei wichtigen oder unklaren Aussagen sind Zwischenfragen wie die folgenden durchaus sinnvoll:

  • Wie würden Sie dabei genau vorgehen?
  • Können Sie mir diese Vorgehensweise kurz begründen?
  • Könnten Sie auch noch weitere Optionen vorstellen?
  • Wo sähen Sie die wichtigsten Vorteile oder grössten Risiken?
  • Würden Sie dies auch in der Situation XY machen?
  • Welche Faktoren wären für Ihren Entscheid auch wichtig?
  • Welche Informationen müssten Sie zur Analyse noch haben?

Bei Fallstudien kann es um Entscheidungssituationen, Lösungsvorschläge, Probleme oder Konflikte, reine Fachfragen, aber auch Sozialkompetenzen oder um unerwartete Herausforderungen oder gar Krisensituationen mit veränderten Rahmenbedingungen gehen. Eine grobe Stossrichtung bzw. Hauptunterscheidung in Fach- und Sozialkompetenzen, in unternehmerische und strategische Aspekte oder in Führungssituationen ist oft empfehlenswert. Ein Fallbeispiel sollte Schwerpunkte setzen und eher Informationen in die Tiefe und nicht zu sehr in die Breite erwarten dürfen.


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