Mitarbeiterführung

Teilzeitarbeit für Führungskräfte – ein praxistaugliches Modell?

Vielfach wird die Teilbarkeit von Stellen in Führungsfunktionen zum Vornherein ausgeschlossen und gar tabuisiert. Doch dies widerspricht HR-Trends, welche für Teilzeit-Modelle sprechen und auch Erfahrungen von Unternehmen, die dies praktizieren.

Eine neue Studie zeigt: 9 von 10 Männern haben den Wunsch, Teilzeit zu arbeiten. Grundsätzlich aber basiert Teilzeitarbeit bei Führungskräften in vielen Bereichen genau auf dem Jobsharing-Prinzip. Generell gilt, dass Sachaufgaben und Facharbeit einfacher aufzuteilen sind als die stark kommunikativ geprägte Mitarbeiterführung und Kundschaftspflege. Gleichzeitig ist es für einen Betrieb ein gewisses Risiko, wenn diese betrieblich wichtigen Aufgaben allzu sehr von einer einzigen Person abhängen.

Mit der Aufteilung verantwortungsvoller Führungsaufgaben kann dem begegnet werden, was aber oft eine Veränderung der ganzen Führungsorganisation bedingt. Inzwischen wird Teilzeitmanagement jedoch immer beliebter – und auch immer akzeptierter, seit die ersten Erfahrungen zeigen, dass bei guter Organisation selten nennenswerte Nachteile oder Beeinträchtigungen auftreten sondern die Vorteile im Gegenteil überwiegen.

Voraussetzungen

Zur Förderung von flexiblen Arbeitsformen für Führungskräfte und einer breiten Akzeptanz muss sich teilweise in Unternehmen auch ein modernes Führungsverständnis entwickeln, welches vor allem weg vom althergebrachten Präsenzdenken hin zum ergebnisorientierten Denken führt. Bei der Umsetzung von flexiblen Arbeitszeitmodellen für Kader stellen sich zudem besondere Herausforderung an die Führung und das Team, denn die Führungsanforderungen steigen in mehreren Bereichen, vor allem was die Delegation, die Arbeitsplanung, die Organisation betrifft.

Gemeinsame Modellentwicklung

Die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden, deren Entscheidungskompetenzen und Sinn für das Ganzheitliche müssen ebenfalls gefördert und weiterentwickelt werden. Das passende Modell wird am besten gemeinsam mit dem Team entwickelt. Vor Ort liegt das Know-how im Hinblick auf Änderungsmöglichkeiten der Arbeitsorganisation, Möglichkeiten der Delegation und schliesslich der Gestaltung des passenden Arbeitszeitmodells. Ausserdem trägt die Einbindung des Teams zur Erhöhung der Akzeptanz bei.

Vorteile für Unternehmen und Führungskräfte

Es ergeben sich bei Teilzeitarbeit für Führungskräfte sowohl für das Unternehmen wie auch die Führungskräfte und unterstellten Mitarbeiter beachtliche und für beide Seiten relevante Vorteile wie bei Unternehmen beispielsweise die Bindung von qualifizierten, oft teuer ausgebildeten Fach- und Führungskräften und Erhalt von Know-how, vermehrte Mitarbeiterentwicklungs und –förderungs-Möglichkeiten.

Für die Führungskraft sind es bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Chancen für partnerschaftliche Arbeits- und Lebensmodelle, Vorbeugen von Überlastung und Burnout und ein wesentliche Beitrag zur Mitarbeiterbindung.Studien belegen immer wieder, dass Teilzeitarbeitende nicht nur 100% sondern sogar mehr zu leisten imstande sind und Teilzeitstellen auch ökonomisch mehr Vorteile aufweisen als Nachteile.

Die Teilbarkeit von Stellen

Zur Förderung von flexiblen Arbeitsformen für Führungskräfte generell und einer breiten Akzeptanz muss sich in Unternehmen auch ein modernes Führungsverständnis entwickeln, welches vor allem weg vom althergebrachten Präsenzdenken hin zum ergebnisorientierten Denken führt. Nicht Zeitpräsenz als eigentlich antiquiertes Leistungsmerkmal sondern Zielerreichung und die Qualität der Leistungserbringung unabhängig von Arbeitszeit und Präsenz stehen im Vordergrund.

Die Behauptung, dass viele Postionen und Funktionen nicht teilbar seien, ist bei näherer Betrachtung oft nicht zutreffend. Werden unkonventionelle, organisatorische, zeitplanungstechnische Möglichkeiten, allenfalls in flexible Arbeitszeitmodelle eingebettet, ausgeschöpft, sind wesentlich mehr Stellen auch in Teilzeit möglich als man gemeinhin annimmt. Wenn Stellvertretungen im Falle von Krankheit, Ferienabwesenheiten oder längeren Absenzen ja auch möglich sind, geht dies auch Teilzeit, wenn etwas organisatorische Denkarbeit geleistet wird.

Teilzeitarbeit motiviert auch Führungskräfte

Die Ergebnisse der Studie „Flexibility drives Profitability“ von Regus aus Deutschland, für die weltweit über 16.000 Führungskräfte unterschiedlicher Unternehmen befragt wurden, sprechen eine deutliche Sprache: Bei 59 Prozent der Firmen konnte als Folge flexibler Arbeitszeitmodelle ein Anstieg der Produktivität festgestellt werden. 43 Prozent gaben an, dass sie dank flexibler Arbeitsmodelle inspirierter, engagierter und motivierter sind und jeder Dritte fühlte sich dadurch auch gesünder als zuvor.

Varianten und Möglichkeiten

Für die Umsetzung einer Teilzeit-Führung sind oft mehrere Modelle möglich, wobei die Lösungen betriebsspezifisch sehr individuell ausfallen können und von der Gesamtorganisation und den Bedürfnissen der Beteiligten beeinflusst werden. Am häufigsten kommen, zuweilen auch als Übergangslösungen oder Testmodelle, vollzeitnahe Varianten zum Einsatz, die mit Telearbeit kombiniert werden wie dies bei einer Vier-Tage-Woche der Fall ist. Viele Führungskräfte arbeiten auch das Jahr über Vollzeit und reduzieren dann über einen Zeitraum auf ein Teilzeitpensum.

Der Beitrag zum Employer Branding

Flexible Arbeitszeitmodelle im Allgemeinen und das Angebot an Teilzeistellen im besonderen – auch für Führungskräfte -, verbunden mit Work-Life-Balance-Modellen werden, auch im Hinblick auf die demografische Entwicklung, in Zukunft ein immer wichtigeres Merkmal attraktiver Arbeitgeber sein. Und diese werden oft mit solchen Angeboten auch die grössere Auswahl haben und dadurch die besseren Mitarbeiter gewinnen können. Es ist kein Zufall, dass gerade die innovativen und mitarbeiterfreundlichen Unternehmen, – darunter auch viele Grossunternehmen – auch für Führungskräfte immer mehr Teilzeitangebote unterbreiten.

Angst vor Kontrollverlust und Akzeptanz

Eines der nach wie vor grössten Probleme ist bei Teilzeitarbeit für Führungskräfte nach wie vor die gesellschaftlichen Akzeptanz. Besonders Männer sowie Frauen in Führungspositionen interpretieren Jobsharing als Karriereknick, befürchten Kontrollverlust bei ihren Teams, haben Schwierigkeiten, Verantwortung abzugeben oder befürchten, bei zu vielen Abwesenheiten im Konkurrenzkampf neuer Positionen ins Hintertreffen zu geraten. Um so deutlicher aber die Erfolge beweisen werden, dass dem nicht so ist und passende Arbeitszeitmodelle entwickelt werden, dürften diese Bedenken an Bedeutung verlieren.

Gesellschaftliche Aspekte

Die Fragen rund um Teilzeitarbeit und die Gründe für die Kluft zwischen Arbeitenehmerbedürfnissen und Unternehmensrealität umfasst höchst unterschiedliche gesellschaftspolitische Veränderungen und Ansprüche, Verschiebungen traditioneller starrer Rollenbilder, sich verändernde Grundwerte von Beruf und Arbeit, ökonomische Aspekte der Investition in Teilzeitarbeitslätze und deren Auswirkungen auf die Leistungserbringung. Verbal bekennen sich Unternehmen schnell einmal zum Teilzeitmodell auch für Führungskräfte, um sich das Eitkett des fortschrittlichen Arbeitgebers umzuhängen. Geht es dann aber um Umsetzungen und tragfähige Lösungen, fallen viele in althergebrachte Denkmuster zurück.

Teilzeitarbeit in der Schweiz ist hoch

Die Teilzeitarbeit ist in der Schweiz ausgeprägt und liegt mit über 30 Prozent deutlich höher als in der Europäischen Union mit um die 20 Prozent herum: Die Schweiz belegt nach Norwegen den zweiten Rang. Die häufigere Teilzeitarbeit in der Schweiz wird einerseits durch das höhere Lohnniveau und die geringere Arbeitsmarktregulierung ermöglicht, ist aber andererseits auch eine Folge der weniger stark ausgebauten Betreuungsmöglichkeiten für Kinder.

Weitere Informationen zum Thema auch auf der Website Teilzeitkarriere.


Praxishandbuch flexible Arbeitszeitmodelle

Roland Winiger: Praxishandbuch flexible Arbeitszeitmodelle – Umfang: 270 Seiten Erschienen im PRAXIUM Verlag – Mit alle Vorlagen enthaltender CD-ROM – ISBN: 978-3-9523596-5-5

Das Arbeitszeitmodelle-Buch zeigt unter anderem auf, welche Modelle es mit welchen Vorteilen und Nachteilen gibt, welche sich für welche Unternehmen eignen, was bei der Einführung flexibler Arbeitszeiten erfolgsentscheidend ist, wann Unternehmen bei der Veränderung von Arbeitszeitmodellen erfolgreich sind und wie eine Evaluierung von Arbeitszeitmodellen erfolgt.

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