Human Resource Management Mitarbeiterführung

Home Office: ja-nein? Schon die Frage ist falsch!

Dieser Tage findet wieder der alljährliche Home Office-Day statt. Anlass genug, das Thema von einer anderen Seite her zu betrachten und sich vom Pro- und Contra-Denken zu lösen. Wichtig sind die Umstände und die richtige Einschätzung der Einflussfaktoren.

Zur Zeit wird das Pro und Contra von Home Office-Arbeit wieder einmal kontrovers diskutiert. Verfechter und Gegner haben dabei gute Argumente, vergessen aber, dass es keine Pauschalhaltung geben kann, sondern nur eine von der Situation von Unternehmen, Mitarbeiter und Aufgaben abhängige von Fall zu Fall differenzierte Sichtweise.

Zielereichung nicht Arbeitsort zählt
Befürworter entgegnen auf die Skepsis der fehlenden Kontrollmöglichkeit zu Recht, ob ein am Arbeitsplatz sitzender Mitarbeiter denn zwangsläufig und nur aus diesem Grund auch ein produktiverer sei. Nicht die Präsenz und der Arbeitsort, sondern die Zielerreichung ist wesentlich, ist deren kaum zu bestreitendes Argument. „Am Ende des Tages zählt das Ergebnis. Der eine denkt besser beim Joggen, der andere beim Sitzen. Im Vordergrund stehen Zielvereinbarungen sowie ein transparentes und fundiertes Messen der Zielerreichung“, bringt Nicole Gasser, Personalleiterin Microsoft Schweiz in der Home Office Debatte von hrtoday ein.

Austausch und Unternehmenskultur leiden
Gegner führen Argumente ins Feld, die auch ihre Berechtigung haben: Wenn das Team fehle, finde kein Erfahrungsaustausch mehr statt und die Unternehmenskultur leide darunter. „Eine Teamleistung – auch in kreativen Branchen ein zentraler Erfolgsfaktor – lässt sich nur durch den persönlichen Austausch optimieren“, meint Benjamin Geiger, Chefredaktor der Zürichsee-Zeitung in derselben Debatte.

Das Team nicht nur im Informations-, Wissens- und Erfahrungsaustausch und besseren Uptodate-Seins sondern auch im Arbeitsklima, der Zusammengehörigkeit und des Wohlbefindens eines guten Teamspiritis  – so er denn vorhanden ist – fehlen einem  Homeworker zwangsläufig und bergen unbestreitbar gewisse Gefahren der Isolation und des Abgekoppeltseins.

Die Meinung, Benjamin Geigers, man treffe sich persönlich nur noch an Konferenzen, die man aufwendig terminieren müsse, ist allerdings weniger haltbar. Denn ob Treffen nur an Konferenzen oder auch bei anderen Anlässen stattfinden, ist eine Organisationsfrage und im Zeitalter moderner Kommunikationssysteme sind Terminierungen mit wenigen Mausklick in Sekundenschnelle – und durchaus auch spontan – erledigt.

Wesentlicher Beitrag zur Work-Life-Balance
Die Home Office-Day-Website
bietet interessante Informationen und Entscheidungshilfen und möchte diesen Tag als ein Aufruf
verstanden haben, regelmässiger zu Hause zu arbeiten und dies häufiger
zu versuchen. „Home Office und mobile Arbeitsformen leisten einen
wesentlichen Beitrag zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf, Familie
und Freizeit.

Darüber hinaus erhöht es erwiesenermassen die
Produktivität der Unternehmen und reduziert den Pendlerverkehr“ lauten
die starken Argumente. Interessant auch der Standpunkt aus der Politik, d.h. von Lucrezia Meier-Schatz (Nationalrätin CVP), dass Home-Office-Arbeit für viele Menschen mit Familienverantwortung eine interessante Alternative und Perspektive sei.

Alle Betroffenen in allen wichtigen Punkten einbeziehen
Noch einmal: Home Office ist jedoch abhängig von der Situation, den Bedürfnissen und der Kultur von Unternehmen, Mitarbeitern und Aufgaben. Erst wenn diese Bereiche mit Stärken und Schwächen analysiert werden, Gespräche stattfinden und das Pro und Contra auf allen Seiten abgewogen wird, können fundierte Entscheide gefällt werden. Einige der wichtigen Einflussfaktoren und Parameter sind nach unserem Dafürhalten:

Unternehmen
Unternehmenskultur
Führungsstile und -instrumente
Jeweiliges Vorgesetzten-Mitarbeiter-Verhältnis
Kommunikationswege und -struktur
Mitarbeiterbild/Vertrauenskultur
Technologische Infrastruktur
Organisatorische Gegebenheiten

Mitarbeiter
Persönlichkeits- und Arbeitsnaturell
Familiäres Umfeld und Wohnsituation
Selbständigkeit
Kommunikationspräferenzen – und Know-how
Motivationsausprägung
Work-Life-Balance-Bedürfnisse
Position/Funktion
Alter und Geschlecht
Technologie-Affinität

Aufgaben
Präsenzgebundenheit
Konzentrationsbedarf und Umfeldeinwirkung
Kontaktnotwendigkeiten (Kunden, Kollegen)
Arbeitshilfsmitteleinsatz wie IT
Bedeutung/Stellenwert der Teamleistung
Aktivitäten mit und Abhängigkeit von externen Partnern

Sowohl-als-Auch in Home- und Firmenpräsenz
Wesentlich ist demzufolge nicht die Entweder-Oder-Frage sondern im Falle eines Entscheides oder einer Diskussion für oder gegen die Home Office-Arbeit die ausgewogene Balance von Präsenzen im Unternehmen und in im Homeoffice, – für uns sogar der zentrale Punkt -, ein vertrauensvolles Vorgesetzten-Mitarbeiter-Verhältnis, klare, abgesicherte Zielvereinbarungen, die Art und Bedürfnisse der Mitarbeiterpersönlichkeit, die Organisation der Zusammenarbeit und die technologischen Gegebenheiten.

Fazit
Im ausgewogenen Wechsel von Heim- und Unternehmensarbeit profitieren alle von beiden Arbeitsformen und bestehen die besten Chancen, individuelle Gegebenheiten einzubeziehen und realitätsnah zu gewichten. Der Fokus auf Sowohl-als-auch ist einmal mehr der bessere Fokus als unflexible Grundhaltungen.

Kritisch setzt sich der TA-Online-Artikel „Die Homeoffice-Verweigerer“ mit der Thematik auseinander.


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