Personalgewinnung

Wissen Sie, wie Ihre Stellenanzeigen interpretiert werden?

Ob man in klassischen Tageszeitungen Stellenangbote durchforstet oder Online-Stellenbörsen und Karriere-Websites nach interessanten Stellen durchstöbert – es gibt einige wichtige und erfolgsrelevante Punkte für die Ausgestaltung und Konzeption von Stellenanzeigen.

Stellensuchende interpretieren Stellanzeigen oft, manchmal auch unbewusst, nach Gesichtspunkten und Kriterien, die Anzeigenverfassern nicht immer bewusst sind, wie nur schon einige wenige unbedachte Formulierungen Unseriosität bewirken, Stellensuchende kopfscheu und misstrauisch machen oder Verwirrung und Unsicherheit auslösen können. Die schwerwiegenden Folgen sind immer die gleichen: Man verliert qualifizierte und geeignete Kandidaten.

Interpreationen von Lesern

Aufmerksame Bewerber und Intressenten lesen oft auch versteckte Hinweise: Ein Unternehmen, das „Belastbarkeit“ erwartet, obwohl das eigentlich selbstverständlich ist, bietet vermutlich ein rauhes Klima oder eine Stelle mit einem recht viel Stress. Ein allzu förmlicher und trockener Text kann den Verdacht eines eher straff und konsvervativ geführten, oder gar bürokratischen Unternehmens erwecken und ein „hohes Mass an Eigenverantwortung“ kann auch so gedeutet werden, dass man sich wohl oft selbst überlassen ist und wenig Unterstützung erwarten kann.

Auch Arbeitgeber, die sich mit Superlativen als die Grössten und Besten präsentieren und in allen Bereichen Weltmarktführer und Nummer 1 sind, wirken eher unsympathisch und angeberisch oder können die Befürchtung entstehen lassen, dass hier ohnehin nur Suptertalente und Genies eine Chance haben. Stellenanzeigen sollten massvoll und in gewissen Dingen, beispielsweise bei Anforderungen, gar dezent sein und vor allem auch emotional ansprechen, Sympathie erzeugen und authentisch wirken. Fakten und Konkretes überzeugen und gewinnen Vertrauen, nicht Plattitüden und nichtssagende Phrasen.

Wording, Stil und Tonalität

Wortwahl, Stil, Layout und Erscheinungsbild einer Anzeige liefern – oft auch wieder unbewusst wahrgenommen – wichtige Hinweise auf das Selbstverständnis des Unternehmens und seine Unternehmenskultur. Die Art und Weise, die Tonalität, wie der potenzielle Bewerber angesprochen wird – sachlich orientiert oder betont locker und lässig – lassen auf den Umgangston, die Führungsstile und das Betriebsklima schliessen, bzw ein solcher vermuten. Schon mal versucht: Eine Prise Humor im richtigen Kontext, ein typisches oder interessantes Beispiel in der Aufgabenbeschreibung oder eine kleine das Arbeitsklima veranschaulichende Geschichte oder ein authantisches Statement eines Mitarbeiters kann viel bewirken und hebt Sie sofort von anderen Stellenanbietern ab.

Empfehlenswert ist es, Inhalte, Sprachniveau und Wortwahl auf das Stellenniveau und die angesprochenene Bewerber-Zielgrupppen auszurichten. So sollten einfache Sachbearbeiteraufgaben mit ebenso einfachen Worten beschreiben werden, während anspruchsvolle Expertenstellen durchaus Fachtermini und ein hohes Aufgabenniveau mit entsprechenden Afnorderunen enthalten dürfen.
Grösse und Aufmachung der Stellenanzeige
Im Allgemeinen gilt: Je grösser die Anzeige, desto höher wird die Stelle vom inserierenden Unternehmen eingestuft, denn es will Aufmerksamkeit finden. Damit ist aber auch klar: Genauso viel Kompetenz und Qualifikation erwartet die Firma dann auch von einem geeigneten Kandidaten. Die Grösse der Anzeige lässt erkennen, wie wichtig das Unternehmen sich und die angebotene Stelle nimmt und welchen Stellenwert dieser beigemessen wird.

Ein Grosskonzern wird einen CEO kaum mit einem einspaltigen Stellenangebot suchen und ein Sachbearbeiter wird normalerweise nicht mit einer zweispaltigen und halbseitigen Anzeige angesprochen. Zu marketingmässig und überladen aufgemachte Stellenanzeigen mit Logos, Bildern, Slogans und markigen Sprüchen, die aus der Stelle ein Produkt machen, können schnell auch einen marktschreierischen Eindruck hinterlassen und unseriös wirken. Stellensuchende bevorzugen sachliche, konkrete, faktenbasierende, aussagekräftige, verständliche und sich am Stellensuchenden und seinen Bedürfnissen orientierende Informationen in klarer Struktur.

Seriosität von Stellenanzeigen

Gänzlich misstrauisch werden Bewerber bei auffällig kleinen und billig gemachten Anzeigen, die dafür Grosses versprechen: einen imposanten Titel und ein Spitzensalär in wenigen Wochen. Solche Anzeigen werden meist als Lockvogelangebote interpretiert. Meist bleiben solche Offerten vage und unpräzise, versprechen lediglich interessante Aufgaben und grosse Herausforderungen, reizvolle Inhalte bei überdurchschnittlicher Bezahlung und sofortigem Jobantritt. Misstrauisch klingen auch extraordinäre Qualifikationen wie ein ansprechendes Äusseres oder ungebunden zu sein. Seriöse Arbeitsuchende werden sich dort in der Regel kaum bewerben. Wer einen qualitativen Job anbietet, soll den auch entsprechend beschreiben.

Professionelle Anzeigen sind faktenorientiert und präzise

Stellensuchende müssen sich häufig durch kryptische Abkürzungen, Anglizismen und Fachbegriffe kämpfen oder wenig aufschlussreiche Jobtitel interpretieren, und darüber rätslen, was damit wohl gemeint ist. Dies verwirrt und lässt Bewerber verlieren, den gewünschten Einduck macht dies nie. Ein Anzeigenleser will im Kern in einer ersten Phase vor allem folgende zwei einfache Fragen beantworet haben: Ist diese Arbeit interessant für mich und erfüllte ich die Anforderungen dafür? Deshalb geht es darum, Aufgaben präzise und konkret zu beschreiben. Stichwortwüsten und austauschbare Schlagworte sind unbedingt zu vermeiden und werden vom Leser schnell als uniformes und austauschbares Blabla entlarvt.

Anforderungen und Aufgabenbeschreibungen

Aufgabenbeschreibungen sollen und können durchaus interessant und attraktiv erfolgen, müssen aber zugleich den Tatsachen entsprechen und ausgewogen und realistisch sein. Dabei sind Verweise auf Personal-Websites des Unternehmens, für jene, die mehr wissen wollen, sinnvoll und hilfreich. Gleiches gilt für Anforderungen. Top-Anforderungen, die kaum zu erfüllen sind, schrecken ab, Muss- und Kann-Voraussetzungen hingegen, die gewichten, präzise sind, Lernmöglichkeiten anbieten und kompromissbereit sind, ziehen mehr und bessere Kandidaten an – und wirken sympathisch und vertrauenerweckend.

Stellenanzeigen mit exorbitanten und teilweise unrealistischen Anforderungen laufen ins Leere. Hinweise auf wünschenswerte, zusätzliche Kenntnisse geben unter anderem auch Formulierungen wie Idealerweise verfügen Sie über …, „Erste Erfahrungen im Bereich … wären wünschenswert“, Ausbaufähige Kenntnisse über .. wären von Vorteil“. Sympathisch kann auch ein Zusatz sein wie: „Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Sie ein oder zwei der obigen Anforderungen nicht erfüllen. Wir bieten zahlreiche Lern- und Weiterbildungsmöglichkeiten und eine sehr gründliche Einführung an.“


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