Mitarbeiterführung Mitarbeitergespräche

Auf dem Weg zu mehr Erfolg: Lösungssprache schafft Lösungen

Das konsequent lösungsorientierte Denken und Kommunizieren hat uns dermassen angesprochen, dass wir mehr darüber wissen wollten. Und zwar von Julia Kalenberg, die mit Ihren Kunden in Trainings und Workshops zu diesem Thema grossen Erfolg hat.

Weshalb fällt es vielen so schwer, Lösungsorientierung, Stärken und Positives zu fokussieren?

Die meisten Menschen sind es von Kindheit an gewöhnt, dass sie in erster Linie erfahren, was noch fehlt, was sie noch besser machen müssten usw. anstatt dass Eltern und Lehrer kleine Schritte in die richtige Richtung wertschätzen würden. Das führt dazu, dass auch viele Menschen im Umgang mit sich selbst sehr kritisch sind, immer sehen, was sie noch ändern müssten, wo sie sich verbessern müssten anstatt hinzuschauen, was bereits funktioniert und was in die richtige Richtung geht. Durch das Stärken stärken nach dem Motto „look at what works and do more of it“ kann man nennenswerte Verbesserungen erzielen. Und es macht viel mehr Spass als mühsam an den Schwächen zu feilen.

Was überzeugt Führungskräfte bei Ihren Workshops jeweils am meisten?
Meine Workshops sind wirkliche Work-Shops, d.h. es wird gemeinsam gearbeitet und erarbeitet und nicht nur konsumiert, was ein Trainer vorträgt. Meine Workshops sind „folien-frei“, d.h. keine Powerpoint-Präsentationen sondern Übungen, Diskussionen, Gruppenarbeiten usw. zum Mitmachen. Die Teilnehmer erleben an einfachen und im Alltag sofort anwendbaren Übungen und Instrumenten, was Lösungsorientierung bewirkt. Und das gilt für Verkaufstrainings, Kaderschulungen, Team- und Entwicklungsworkshops usw. gleichermassen.

Gibt es Übungen oder Vorfälle, bei denen der Aha-Effekt
besonders gross ist, bzw. es plötzlich „Klick macht“, wie
wirkungsvoll lösungsorientiertes Denken und Handeln ist?

Eine Übung, die ich sehr schätze und immer wieder gerne durchführe, ist eine sogenannte Skalierungsübung. Zum Beispiel in einem Führungskräftetraining dürfen sich die Teilnehmer individuell auf einer Skala von 1-10 einschätzen, wie gut sie in der Führung heute sind. Dann denkt fast jeder „oh je, was muss ich alles noch machen, damit ich auf die 10 komme?“. Alle sind überrascht, wenn ich dann frage „Was machen Sie denn bereits gut, dass Sie schon auf der X sind?“ und später „Woran merken Sie, dass Sie einen Schritt weiter sind“? Mit diesen Fragen helfe ich den Teilnehmern mit einem Schritt – schwupps – auf die Lösungsebene anstatt die
gängige Methode „Soll-Ist-Vergleich“ und Massnahmenplan zum Schliessen der Lücke anzuwenden. Ganz anders als das herkömmliche Denken. Macht Spass und bringt Selbstbestätigung und fördert den Willen, Veränderungen selbst anzupacken.

Ein Chef möchte dies sofort umsetzen. Welche drei bis
vier konkreten Massnahmen bzw. Verhaltensänderungen soll er als Erstes
ergreifen bzw. umsetzen?

Die Massnahmen und Verhaltensänderungen sind individuell verschieden. Ich gehe immer davon aus, dass der Teilnehmer Experte seiner Situation bzw. seines Problems ist. Auf die Frage „woran merken Sie, dass Sie in Ihrer Art der Führung einen Schritt weiter sind?“ können die meisten Teilnehmer sehr konkret Antwort geben, was sie anders machen würden wenn sie einen Schritt weiter sind. Das reflektieren wir gemeinsam, und dann geht es darum, das in der Praxis auch zu TUN. Und dabei einen wertschätzenden Umgang mit sich selbst zu pflegen, indem man auch regelmässig reflektiert, was bereits an kleinen und kleinsten Schritten in die richtige Richtung geht. So als würde man mit einer Lupe die kleinen Schritte beobachten. Das ist ein wichtiger Bestandteil der Selbstmotivation!

Welches sind herausragende Erfolge mit lösungsorientiertem
Denken von Unternehmen, die an Ihren Workshops teilnahmen?

Da gibt es vielegute Beispiele. Gerne konzentriere ich mich auf zwei Unternehmen. Ein kleines,
familiengeführtes Hotel hat einen Team-Entwicklungsworkshop für alle Mitarbeitenden (von der Küchenhilfe bis zum Management) durchgeführt und dadurch einen grossen Motivationsschub ausgelöst. Das zeigte sich im 1. Platz des Wettbewerbes „Best for the people“, in dem Angestellte ihren Betrieb bewerten.

In verschiedenen Kaderschulungen (z.B. für LOEB in Bern) wurde den Führungskräften bewusst, wie viel Potenzial sie bei deMitarbeitenden entfalten helfen können indem sie auf Dinge achten, die die Mitarbeitenden bereits gut machen. Natürlich gibt es trotzdem immer wieder Fälle in denen problematisches Verhalten konkret angesprochen und korrigiert werden muss. Es geht ja nicht um die rosa Brille und „anything goes-Kultur“.

Ist nicht eine Unternehmenskultur und ein Führungscharakter
mit positivem Menschenbild Voraussetzung? Kräftige und schöne Pflanzen gedeihen
nur auf Humus…

Natürlich ist es einfacher, wenn lösungsorientiertes Denken und
Stärken stärken bereits in der Unternehmenskultur verankert ist bzw. viel
wichtiger: wenn es vorgelebt wird. Aber man kann auch einfach anfangen, kleine
lösungsorientierte „Keimzellen“ (sogar hierarchieübergreifend und
Abteilungsübergreifend) in einem Unternehmen zu bilden, die dann positiv
ansteckend auf andere wirken können.

Ausserdem kann jeder einzelne zur Verbesserung des Klimas beitragen und positive Veränderungen anstossen, indem er bei sich selbst anfängt. Da fällt mir das Zitat von Mahatma Gandhi so besonders gut „be the change you want to see in the world“. Aber am einfachsten und reibungslosesten geht es sicher, wenn zuerst die Geschäftsleitung für lösungsorientiertes Denken sensibilisiert wird.

Nochmals, ist es nicht so: Von der Grundhaltung her negativ
denkende Chefs werden immer Mühe haben, diese Methoden umzusetzen – oder es oft
gar nicht können… 

Die haben es auf jeden Fall nicht ganz einfach, das stimmt schon. Ich denke an einen langjährigen Kunden von mir, ein Unternehmen in Süddeutschland. Die Einstellung des Geschäftsführers war „nix gschwätzt isch au scho globt“, also sehr zurückhaltend mit Lob und Anerkennung. Auch er hat gesehen, welche Veränderungen seine Führungskräfte im Lauf der Zeit in ihren Teams bewirkt haben, indem sie durch wertschätzende Führung, Stärken
stärken einfach mehr Erfolge hatten.

Auch bei ihm waren durch dieZusammenarbeit Veränderungen zu beobachten. Ein weiterer Punkt ist, dass die von Ihnen als „negativ denkenden Chefs“ bezeichneten Personen sich
dessen oft entweder nicht bewusst sind und es schon gar nicht absichtlich tun.
Viele wollen sich gerne verändern und sind dankbar, kleine Schritte in die
Richtung tun zu dürfen und Veränderungen zu spüren.

Wie kann man lösungsorientiertes Denken verinnerlichen, so
dass es alte Denk- und Handlungsweisen dauerhaft ersetzt, d.h. in Fleisch und
Blut übergeht?

Veränderung von Denk- und Handlungsweisen ist möglich, benötigt
allerdings Zeit und Geduld. Erkenntnisse der Neurowissenschaften sagen, dass
beim Erlernen neuer Verhaltens- und Denkmuster neue Nervenverknüpfungen
geschaffen werden und alte aufgelöst, d.h. alte Muster „entlernt“
werden müssen. Einer meiner Lieblingssprüche ist „Erfolg ist
Regelmässigkeit und Konsequenz“. Je häufiger ich neues Verhalten übe,
desto schneller geht es in Fleisch und Blut über.

In den Trainings und Coachings gebe ich viele konkrete „Hilfsmittel“ (z.B. Lösungstagebuch) weiter, die helfen, eine Regelmässigkeit reinzubringen. Um mal ein erstes Verständnis
dafür zu erzeugen, wie wichtig Geduld mit sich selbst und Regelmässigkeit ist,
lasse ich meine Coachées und Seminarteilnehmer schon mal die Schnürsenkel der
Schuhe anders als gewohnt binden. Auch die zuerst ungewohnte Bindeweise der
Schuhe kann „normal“ werden durch regelmässige Anwendung und Übung.

Führungskräfte zerbrechen sich oft den Kopf, wie sie ihre
Mitarbeiter motivieren können. Sind es nicht genau Ihre Methoden, die dazu
hervorragend geeignet sind?
Doch! Meiner Ansicht greift das Denken
„Führungskräfte müssen ihre Mitarbeiter motivieren“ sowieso recht
kurz. Der Lösungsorientierte Ansatz kommt auch weg vom Bild des omnipotenten
Chefs, der sowieso alles besser weiss und schneller macht. Mitarbeiter werden
mit Hilfe lösungsorientierter Fragen einbezogen, um ihre Sichtweisen und Ideen
gefragt. Und dann sind sie natürlich viele motivierter in der Umsetzung wenn
auch ihre Vorschläge gehört werden. Die Mitarbeiter handeln selbständiger und
verantwortungsbewusster und sind motivierter.

In welchen Situationen ist lösungsorientiertes Denken
besonders wirksam und wichtig?

Ich finde es hilft in allen Lebensbereichen. Im Umgang mit mir selbst, in der Partnerschaft, in der Familie, im Beruf… einfach überall. In allen Bereichen hat das berühmte Zitat von Steve de
Shazer  viel Wahres. „Problem talk creates problems, solution talk creates solutions“. Und deshalb liebe ich meinen schwarz-weissen Stein, den ich vor vielen Jahren beim Joggen gefunden
habe, und der sich dann zu meinem Logo entwickelt hat. Das Schwarz-weisse steht
für „Glas halb voll oder Glas halb leer“.

Das Zitat von Steve de Shazer übersetze ich für mich und meine Kunden so: „Wenn ich im Dialog mit mir selbst und anderen hinschaue, was bereits funktioniert und was mein Beitrag
sein kann (auch in schwierigen Situationen), dann ziehe ich Lösungen förmlich
an – und zwar von überall her. Wenn ich hingegen gedanklich in erster Linie auf der
schwarzen Seite bin, d.h. mich frage „was ist das Problem, wo kommt es
her, wer ist schuld, wer ist sonst noch schuld usw.“, dann drehe ich mich
nur noch tiefer ins Problem rein. Wir sollten uns viel häufiger fragen „wo
will ich hin?“ anstatt „wovon will ich weg“. Hin zu statt weg
von!!

Manchmal muss man auch rügen und klar und deutlich sagen,
was schlecht oder inakzeptabel ist. Wie soll man dann vorgehen?

Ich bin froh, dass Sie die Frage stellen, denn sonst wäre ich unbedingt noch auf das Thema
gekommen. Auf jeden Fall akzeptieren Mitarbeiter klare, konstruktive Kritik
viel eher wenn grundsätzlich viel Wertschätzung in der Führung gelebt wird.
Unerwünschtes, problematisches Verhalten sollte meiner Ansicht nach konkret und
deutlich mit sogeanannten „Ich-Botschaften“ angesprochen werden und
nicht mit anklagenden „Du-Botschaften“.

Das heisst, dass ich das problematische Verhalten konkret beschreibe, dazu die Gefühle benenne, die das bei mir auslöst und die Konsequenzen, die das problematische Verhalten für
andere, für die Situation und beispielsweise für die Kollegen und Mitarbeiter
hat. Dann wird es eher akzeptiert als wenn ich mit einer Du-Botschaft im Sinne
von „Du kommst immer zu spät“ eine Abwehrhaltung geradezu provoziere.

Ihre Methode hat wohl auch viel mit Sozialkompetenzen und
Kommunikation zu tun – worauf kommt es hier besonders an?

Ganz klar, Sozialkompetenz und Kommunikation sind wichtig. Sozialkompetenz fängt bei mir
noch einen Schritt weiter vorne an – beim Umgang mit mir selbst. Wenn ich
wertschätzend mit meinen Mitmenschen umgehen will, muss ich erst einmal einen
wertschätzenden Umgang mit mir selbst pflegen. Denn sonst kann alles auch
„aufgesetzt“ wirken und wenig authentisch. Hilfreiche Kommunikation
lässt sich üben und lernen. Und das geht noch viel einfacher, wenn man sich
bewusst ist, wie wichtig die dahinter stehende „persönliche
Einstellung“ ist.

Denn wer erkannt hat, dass die eigene Einstellung sich aufs eigene Verhalten auswirkt und das wiederum eine Reaktion des Gegenübers auslöst, hat begriffen, dass ich bei mir selbst und meiner Einstellung anfangen muss. Sonst ist Kommunikation nur Kosmetik. Sie merken: „Die Bedeutung meiner persönlichen Einstellung“ ist ein absolutes Lieblingsthema von mir.
Diese Erkenntnis hat schon viele Trainingsteilnehmer SEHR VIEL weiter gebracht.

Wie stellen Unternehmen sicher, dass Ihre Methode auch nach
den Workshops dauerhaft angewandt und praktiziert wird?

Die Teilnehmer
probieren in den Workshops bereits Instrumente aus und überzeugen sich von der
Wirksamkeit. Ausserdem formulieren alle Teilnehmer am Ende eines Workshops
einen konkreten Aktionsplan. Sie suchen sich einen Lernpartner und verabreden
sich für einen konkreten Termin nach dem Training zum Austausch über das
Erlebte. Am wirksamsten ist es, wenn die Vorgesetzten der Workshopteilnehmer
vorher über die Themen informiert werden, damit sie ihre Mitarbeitenden dann
„abholen“ und in der Umsetzung können.

Welches Feedback nach Anwendung Ihrer Methoden hat Sie bis
heute am meisten gefreut?

Mich freut die Entwicklung meiner Coachées aus dem sportlichen Bereich (Segeln, Orientierungslauf, Springreiten), die vor der Zusammenarbeit mit mir bereits über qualitativ sehr hochstehendes technisches Training verfügten. Und dennoch hat die Ausrichtung auf „Stärken stärken“ einen Selbstbewusstseinsschub bewirkt und damit eine nachhaltige
Verbesserung der Leistung. Und es freute mich auch sehr, als einmal ein
Geschäftsführer eines Unternehmens, den ich regelmässig durch Coaching begleite,
zu mir sagte „Julia, eine Stunde solution walk mit Dir ist zehnmal
wirksamer als die vielen Sitzungen“. Damit meinte er die
Lösungs-Spaziergänge, die ich als Alternative zum herkömmlichen Coaching
anbiete.

Sie sprechen immer wieder das Thema Wertschätzung in der
Führung an. Das scheint Ihnen wichtig zu sein – können Sie abschliessend noch
ein paar Sätze zu diesem Thema sagen?

Mittlerweile pfeifen es ja schon fast die Spatzen von den Dächern, wie wichtig Wertschätzung in der Mitarbeiterführung ist. Und dass es einen engen Zusammenhang zwischen der Art und Weise der Führung und der Mitarbeitermotivation, ja sogar der Mitarbeitergesundheit gibt.
Das heisst, gelebte Wertschätzung in der Führung ist kein Luxus und kein
Sozial-Klimbim sondern wirkt sich auch auf die Produktivität eines Unternehmens
aus. Aber es reicht einfach nicht aus, den Kaderleuten zu sagen „Du
solltest mehr Wertschätzung in der Führung zeigen“. Denn viele sind
unsicher WIE sie das tun können, ohne sich auf plattes und oberflächliches Loben
zu beschränken. Dort setze ich in speziellen Workshops an. Und da gibt es
meiner Ansicht nach noch viel Potenzial.

Das Interview führte Marco De Micheli, Geschäftsführer des PRAXIUM-Verlages mit Frau Julia Kalenberg am 2. Februar 2013.

Julia Kalenberg
ist seit 15 Jahren als selbständige Trainerin (v.a.
Verkaufstraining und Führungskräftetrainings) und Coach tätig. Sie hilft Teams
und Einzelpersonen in Trainings und Coachings, sich mehr auf Lösungen anstatt
auf Probleme zu konzentrieren. Sie verfügt über viele Jahre Verkaufs- und
Führungserfahrung als Verkaufsleiterin. Julia Kalenberg ist fasziniert von den
Parallelen von Sport und der Geschäftswelt.

Website: www.juliakalenberg.ch
E-Mail-Kontakt: jk@juliakalenberg.ch

 


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